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Gemeinsam mit dem Hamburger Tech-Unternehmen Wunder Mobility veröffentlichen wir einen monatlichen Mobility-Policy-Newsletter. Im Fokus stehen alle Fragen rund um das Thema Mobility, Regulierung und Technologie. Auf unserem Blog veröffentlichen wir nun den nächsten Artikel aus dem Newsletter:
Ein Interview mit Thomas Jarzombek, Beauftragter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) für Digitale Wirtschaft und Start-ups und Koordinator für Luft- und Raumfahrt.



Innovative Mobilitätsideen kommen häufig von sehr agilen und schnellen Start-Ups. Eine große Herausforderung für diese stellt die Kommunikation mit behördlich organisierten Kommunen da. Wie kann dieser Austausch in Zukunft verbessert werden?

Die Zusammenarbeit zwischen Startups und großen Organisationen, gerade öffentlicher Hand, ist ein Thema, was uns sehr beschäftigt. Wir sind dabei mit unserer Initiative „go-inno“ verschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um Start-Up Gründern besseren Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen zu geben. Beispielsweise drängen wir stärker darauf, dass technologieneutral ausgeschrieben wird. Das ist häufig, gerade wenn wir über Tech-Start-Ups reden, eine entscheidende Voraussetzung: Schreibe ich zum Beispiel Hubschrauberleistungen aus, um in Seenot Geratene zu finden, oder schreibe ich so etwas technologieneutral aus, sodass man dafür auch beispielsweise Drohnen einsetzen kann?
Bei einer Staatsquote von 44% wird sehr viel Auftragsvolumen durch die öffentliche Hand vergeben und hat damit großen Einfluss auf Entwicklungen. Wir wollen, dass Start-Up-Gründer davon besser partizipieren. Denn Aufträge sind das beste Förderprogramm für Start-Ups.

Eine ähnliche Problematik sehen wir bei sehr innovativen und neuen Technologien, die rechtlich noch gar nicht explizit reguliert sind. Dort steht die Politik häufig vor der Herausforderung Technologieoffenheit zu erhalten und gleichzeitig regulatorische Leitplanken zu geben.

Unsere Antwort darauf ist die Reallabore-Strategie aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Wir schaffen Testräume für Innovationen und Regulierung. Das ist natürlich aber auch keine Dauerlösung. In Zukunft müssen wir von den Experimentierklauseln – das Personenförderungsgesetz ist hier aktuell ein schönes Beispiel – wegkommen und Dauerlösungen schaffen. Da besteht aus meiner Sicht noch Handlungsbedarf.
Bisher wurde vieles auf Basis von Experimentierklauseln erprobt. Das stellt aber keine Perspektive für Investoren dar. Ich glaube, Investoren werden nur dann in ein Start-Up investieren, wenn erkennbar ist, dass sich damit auch ein Markt erschließen lässt.

Fehlen dann in Experimentierklauseln klar aufgezeichnete Wege hin zu einer dauerhaften Regulierung?

Am Ende braucht es ein Entscheidungsgremium, was nach einer Testphase den Dauerbetrieb erlaubt oder eben nicht. Ein Gremium, was sehr schnell Dinge öffnet. Aber es darf eben auch nicht bei Experimentierklauseln stehen bleiben. Stattdessen braucht es wirkliche Marktöffnung. Das ist dringend notwendig. Denn nur so kann ein Start-Up am Ende die Finanzierung bekommen, die es braucht, um im internationalen Wettbewerb erfolgreich zu sein.
Ich denke, statt vieler Experimentierklauseln muss man viel frühzeitiger hingehen und die Märkte öffnen und gerade im Bereich Mobilität massiv deregulieren, was aktuell Innovationen noch zu stark behindert.

Am Flughafen Düsseldorf, ihrer Heimatstadt, wurde gerade die Kooperation mit einem Flugtaxi-Hersteller bekannt gegeben. Wie sehen Sie die Zukunft von Lufttaxis in Deutschland und was muss hier unterstützend von Seiten der Politik geschehen, damit auch solche Innovationen langfristig auf den Markt kommen?

Ich würde mir wünschen, dass das Bundesverkehrsministerium hier erste Strecken in Auftrag gibt und damit ganz klar Aufträge ins Schaufenster stellt und dadurch Unternehmen und Investoren das Signal sendet: „Da ist ein Markt und der funktioniert auch in Deutschland.“ Ich fände es auch interessant, wenn man einfach mal eine Teststrecke in einem innerstädtischen Bereich aufbaut, wo verschiedene Verkehrskonzepte auch mal fahren können und man mal testen kann, wie eigentlich die Kundenakzeptanz für solche Dinge ist.

Eine abschließende Frage: Gibt es dann für Sie überhaupt ein ideales Mobilitätskonzept, das Sie sich wünschen würden, oder soll der Bessere einfach gewinnen?

Also ich bin ein absoluter Fan von Wettbewerb und von Vielfalt. Ich glaube, es gibt nicht diese „One size fits all“-Lösung. Es wird in der Zukunft nicht ein Konzept alles ersetzen, sondern der Schlüssel ist in der Tat der Wettbewerb. Nur durch Wettbewerb werden am Ende Innovationen entstehen. Durch Wettbewerb und durch Offenheit. Nur die Ideen, die hier in einem starken Wettbewerb stehen, werden auch über Deutschland hinaus am Ende erfolgreich sein. Wie können sich also Technologien so schnell entwickeln, dass daraus Unternehmen entstehen, die global erfolgreich sein können und die Welt verändern können? Das muss unser Ziel sein und das geht nur durch einen Wettbewerb, durch eine offene Plattform, auf der möglichst viele Gründer mit neuen Ideen die bestehenden Dinge herausfordern können.
Je stärker der Wettbewerb ist, umso agiler werden die Akteure und umso besser sind deren Chancen auch im internationalen Markt erfolgreich zu sein.

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