{"id":4019,"date":"2022-09-27T08:47:42","date_gmt":"2022-09-27T06:47:42","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=4019"},"modified":"2023-01-25T10:58:15","modified_gmt":"2023-01-25T09:58:15","slug":"ein-turbo-fuer-den-emissionshandel-interview-mit-ruth-von-heusinger-gruenderin-von-fortomorrow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/2022\/09\/27\/ein-turbo-fuer-den-emissionshandel-interview-mit-ruth-von-heusinger-gruenderin-von-fortomorrow\/","title":{"rendered":"Ein Turbo f\u00fcr den Emissionshandel &#8211; Interview mit Ruth von Heusinger, Gr\u00fcnderin von ForTomorrow"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4019\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"DE\">DE<\/a>.<\/p><p>&nbsp;<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4022 size-large\" src=\"https:\/\/bernstein-group.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/220926-canva-blog-fortomorrow-1-1024x536.png\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/bernstein-group.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/220926-canva-blog-fortomorrow-1-1024x536.png 1024w, https:\/\/bernstein-group.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/220926-canva-blog-fortomorrow-1-300x157.png 300w, https:\/\/bernstein-group.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/220926-canva-blog-fortomorrow-1-768x402.png 768w, https:\/\/bernstein-group.com\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/220926-canva-blog-fortomorrow-1.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/>\n<p><strong>\u201eBeat the System by using the System\u201c \u2013 Nach diesem Motto kauft das Non-For-Profit <a href=\"https:\/\/www.fortomorrow.eu\/\">ForTomorrow<\/a> Emissionszertifikate auf, um den EU-Emissionshandel zu beschleunigen. Mit der Gr\u00fcnderin Ruth von Heusinger haben wir \u00fcber Emissionshandel in Zeiten der Energiekrise und Erwartungen an die aktuelle Reform gesprochen.<\/strong><\/p>\n<p><em>Sehr geehrte Frau von Heusinger, mit Ihrer Non-for-Profit Organisation \u201eForTomorrow\u201c engagieren Sie sich stark im Europ\u00e4ischen Emissionshandel. K\u00f6nnen Sie einmal kurz erkl\u00e4ren, wie dieser Handel funktioniert und warum es f\u00fcr Sie ein so effektives Tool ist?<\/em><\/p>\n<p>Der Emissionshandel ist das offizielle Klimaschutz-Tool der Europ\u00e4ischen Union. Alle gro\u00dfen CO2-Emittenten in der EU m\u00fcssen teilnehmen \u2013 zum Beispiel Kohlekraftwerke oder gro\u00dfe Industrieanlagen. F\u00fcr jede Tonne CO2, die ein Emittent aussto\u00dfen m\u00f6chte, braucht es ein Emissionsrecht. Legt ein CO2-Emittent dieses CO2-Zertifikat j\u00e4hrlich nicht vor, werden hohe Strafen f\u00e4llig und die Emissionsrechte m\u00fcssen nachgereicht werden. Die Emissionsrechte werden von den jeweiligen Regierungen regelm\u00e4\u00dfig versteigert. Die Gesamtanzahl der verf\u00fcgbaren Emissionsrechte ist durch die EU festgelegt und wird jedes Jahr reduziert. Dieser Mechanismus hei\u00dft Cap &amp; Trade. Dadurch wird die Wirtschaft gezwungen, jedes Jahr weniger CO2 auszusto\u00dfen. 2050 soll das Emissionshandelssystem schlie\u00dflich dazu f\u00fchren, dass die EU CO2-neutral wirtschaftet.<\/p>\n<p>Die Zahlen zeigen klar: Wo der Emissionshandel greift, sinken die CO2-Emissionen. Der Emissionshandel funktioniert \u2013 nur leider zu langsam. Nicht erst seit dem letzten IPCC-Bericht wissen wir, uns bleibt wenig Zeit, um CO2-neutral zu werden. Mit ForTomorrow kaufen wir ebenfalls Emissionsrechte und legen diese ungenutzt still. Dadurch senken wir schon jetzt die Gesamtmenge an CO2, welche die Industrie aussto\u00dfen darf in der EU. Dadurch steigt der Preis der verbleibenden Emissionsrechte im Markt, und der Anreiz zur Dekarbonisierung steigt. Dabei folgen wir dem Motto: \u201eBeat the system by using the System!\u201c Unser Ziel ist, die EU klimaneutral zu machen vor 2040.<\/p>\n<p>Der Emissionshandel ist gut erprobt, gilt bereits f\u00fcr viele Schl\u00fcsselindustrien und erfasst aktuell ca. 40 % der anfallenden Emissionen in der EU \u2013 das macht ihn so m\u00e4chtig. Vor allem k\u00f6nnen wir \u00fcber den Emissionshandel CO2-Emissionen dort reduzieren, wo sie entstehen \u2013 bei uns in Europa.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine werden wieder vermehrt fossile Energietr\u00e4ger <\/em><em>zur Energieerzeugung verbrannt. Wie wirkt sich der Angriffskrieg auf die Ukraine, die damit einhergehende Energiekrise und Engp\u00e4sse beim Import von fossilen Energietr\u00e4gern auf ihre Arbeit aus?<\/em><\/p>\n<p>Diese Fragen beantworte ich am besten auf zwei Wegen. Wenn kurzfristig die Preise f\u00fcr Emissionsrechte schwanken, hat dies keinen Einfluss auf die Gesamtemissionen, die \u00fcber das Cap beschr\u00e4nkt werden. Der Emissionshandel funktioniert \u00fcber Angebot und Nachfrage. Preisschwankungen sind normal. So haben Unternehmen zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 weniger CO2 ausgesto\u00dfen und der Preis f\u00fcr Emissionsrechte sank. Es wird dann kurzfristig g\u00fcnstiger, CO2 auszusto\u00dfen. Doch das Cap bleibt bestehen und damit ist langfristig gesichert, dass die CO2-Emissionen der EU sinken. Das Cap &amp; Trade-System ist durch eine Pilotphase von 2005 bis 2007 erprobt und wird seitdem stetig verbessert. Durch die stetige Verknappung der Emissionsrechte ist im langfristigen Trend eine Preissteigerung zu sehen. Im M\u00e4rz 2020 lag der Preis bei 20 \u20ac pro Tonne und ist dann auf zeitweise fast 100 \u20ac pro Tonne gestiegen. Es wird f\u00fcr Unternehmen immer teurer, CO2 auszusto\u00dfen und profitabler, beispielsweise Stahl \u201egr\u00fcn\u201c, also mit geringerem CO2-Aussto\u00df zu produzieren. Das ETS-System ist also auch in Krisenzeiten robust.<\/p>\n<p>F\u00fcr unsere Abonnent:innen hei\u00dfen Preisanstiege, dass es teurer wird, seinen CO2-Aussto\u00df \u00fcber Emissionsrechte zu kompensieren. Wir kommunizieren jederzeit transparent, wie sich der Markt entwickelt. Steigt der Preis f\u00fcr Emissionsrechte, k\u00f6nnen alle selbst entscheiden, ob sie die gleiche Menge an CO2 monatlich weiter kompensieren. Oder, ob sie die Menge reduzieren m\u00f6chten und weiter monatlich den gleichen Betrag spenden. Unsere Abo-Preise versuchen wir \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume konstant zu halten. Wir kaufen dazu eine gr\u00f6\u00dfere Menge an Emissionsrechten zu g\u00fcnstigen Zeitpunkten ein. Im n\u00e4chsten Schritt prognostizieren wir, wie sich der CO2-Preis \u00fcber das Jahr entwickelt. Bislang mussten wir unsere Preise nur einmal pro Jahr anpassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Kurz vor der Sommerpause hat das Europ\u00e4ische Parlament angek\u00fcndigt, den Handel mit Emissionszertifikaten zu reformieren. Im aktuellen Koalitionsvertrag bekennt sich die Bundesregierung zu einer Ausweitung des Handels auf weitere Industrien. Was sind ihre drei W\u00fcnsche an die Politik f\u00fcr die anstehenden Reformen und wo sehen Sie den gr\u00f6\u00dften <\/em><em>Reformbedarf?<\/em><\/p>\n<p>Die Politik sollte die richtigen Rahmenbedingungen setzen und die Externalisierung von Klimakosten verhindern. Der Emissionshandel ist bereits ein wirkungsvolles System. Im Industrie-, Strom- und Luftfahrtsektor m\u00fcssen alle gro\u00dfen CO2-Emittenten in der EU teilnehmen. Die Menge der Emissionsrechte ist von der EU beschr\u00e4nkt und wird stets weniger. Doch f\u00fcr das 1,5 Grad Ziel m\u00fcsste die Politik diese Menge noch schneller drosseln. Und sie m\u00fcsste den Emissionshandel auf weitere Sektoren ausweiten, damit der gesamte CO2-Aussto\u00df der EU abgedeckt wird. In den Sektoren, die noch nicht vom Emissionshandel abgedeckt sind, sind die Emissionen teils sogar gestiegen, anstatt zu sinken.<\/p>\n<p>Kurz gesagt, meine drei W\u00fcnsche sind:<\/p>\n<ol>\n<li>Alle Sektoren der EU m\u00fcssen verpflichtend am Emissionshandel teilnehmen.<\/li>\n<li>Das Cap wird so weit gesenkt, dass die noch zu versteigernden Emissionsrechte dem 1,5 Grad Budget der EU entsprechen.<\/li>\n<li>Der Carbon Border Adjustment Mechanismus wird eingef\u00fchrt. Auf Importe m\u00fcssen CO2-Kosten gezahlt werden. So, als w\u00e4ren sie in der EU hergestellt worden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Neben dem Kauf von CO2-Zertifikaten ist For Tomorrow auch in der Aufforstung von W\u00e4ldern aktiv. Wie schaut die Organisation und dessen Partner auf das nun vorliegende Aktionsprogramm \u2018Nat\u00fcrlicher Klimaschutz\u2019? Welche politischen Impulse erhoffen Sie sich und was fehlt vielleicht auch noch?<\/em><\/p>\n<p>Es ist gut, dass der Fokus auf einer St\u00e4rkung der nat\u00fcrlichen Senken liegt. Momentan haben wir eine CO2-Konzentration von \u00fcber 410 ppm in der Atmosph\u00e4re. F\u00fcr die Beschr\u00e4nkung auf 1,5 Grad m\u00fcssen wir diesen Wert langfristig senken auf rund 350 ppm. Das schaffen wir nur, wenn wir CO2 aus der Luft holen \u2013 genau dabei leisten nat\u00fcrliche CO2-Senken einen wichtigen Beitrag.<\/p>\n<p>Mit ForTomorrow w\u00fcnschen wir uns, dass Erstaufforstungen schneller genehmigt werden. Also, dass wir schneller neue Waldfl\u00e4chen schaffen k\u00f6nnen. Was fehlt, ist auch eine erweiterte Nutzungsm\u00f6glichkeit der Ertr\u00e4ge des Waldes. In den Niederlanden gibt es z. B. Essw\u00e4lder, die Nahrungsmittel liefern. In Deutschland ist dies aufgrund der Regularien leider nicht in diesem Umfang m\u00f6glich. Auch m\u00fcssen die Hilfen f\u00fcr Waldumbau angesichts des stark voranschreitenden Klimawandels sehr schnell erfolgen. Hier ist B\u00fcrokratieabbau und Digitalisierung sehr wichtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Non-for-Profit Organisationen wie ForTomorrow nehmen eine immer gr\u00f6\u00dfere <\/em><em>Rolle ein zwischen den klassischen Polen Wirtschaft und Politik. Wie nehmen Sie diese <\/em><em>Entwicklung war und was w\u00fcnschen Sie sich von der Politik, um die Arbeit von Non-for <\/em><em>Profits noch effektiver zu gestalten?<\/em><\/p>\n<p>Mit den Ma\u00dfnahmen, die aktuell von der Politik vorgelegt werden, halten wir die Klimaziele nicht ein. Gleichzeitig merken wir in Deutschland immer st\u00e4rker die Auswirkungen des Klimawandels. Es geht um unsere Zukunft. Darum werden Menschen \u00fcber ForTomorrow aktiv, um Klimaschutz selbst in die Hand zu nehmen. \u00dcber Non-Profit-Organisationen k\u00f6nnen L\u00f6sungen oft einfacher und schneller umgesetzt werden. Auch sogenannte \u2018gesellschaftliche Kippmechanismen\u2019 werden durch Non-Profits vorangetrieben. Faktoren, die dazu beitragen, schnelle sozio-\u00f6konomische Ver\u00e4nderungen anzusto\u00dfen. Non-Profits helfen dabei, Klimaschutz als gesellschaftliche Norm zu etablieren. Wir w\u00fcrden uns freuen, wenn die Expertise der Non-Profit-Organisationen st\u00e4rker in politische Prozesse eingebunden wird. Wir haben alle das gleiche Ziel. N\u00e4mlich langfristige unsere Lebensgrundlage zu sch\u00fctzen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sorry, this entry is only available in DE.&nbsp; \u201eBeat the System by using the System\u201c \u2013 Nach diesem Motto kauft das Non-For-Profit ForTomorrow Emissionszertifikate auf, um den EU-Emissionshandel zu beschleunigen. 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