{"id":3345,"date":"2021-09-01T12:14:32","date_gmt":"2021-09-01T10:14:32","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=3345"},"modified":"2022-03-10T15:03:23","modified_gmt":"2022-03-10T14:03:23","slug":"3345","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/2021\/09\/01\/3345\/","title":{"rendered":"Neu in den Bundestag: Interview mit Emilia Fester (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen)"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3345\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"DE\">DE<\/a>.<\/p><p><strong>Im Fr\u00fchjahr 2020 haben Sie noch unter \u201enormalen Bedingungen\u201c Wahlkampf f\u00fcr die Hamburger B\u00fcrgerschaft gemacht. Mittlerweile findet der Wahlkampf pandemiebedingt \u00fcberwiegend online statt. Hat sich die Art des Wahlkampfs aus Ihrer Sicht dadurch signifikant ge\u00e4ndert oder lag Ihr Fokus ohnehin schon l\u00e4ngst auf digitalen Tools?<\/strong><\/p>\n<p>Um die Frage zu \u00f6ffnen und nicht nur auf mich zu schauen: Corona hat unseren Wahlkampf ver\u00e4ndert und wir haben uns alle lange nicht gesehen. Durch die lange Zeit haben wir alle viel Energie gesammelt, die jetzt alle auch mit raus auf die Stra\u00dfe bringen wollen. Ich glaube, dass diese Zeit der Pandemie auch auf jeden Fall daf\u00fcr sorgt, dass wir einen anderen, einen energetischeren Wahlkampf auf die Beine stellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In den 5 Jahren vor der B\u00fcrgerschaftswahl 2020 habe ich bereits viel Wahlkampf f\u00fcr alle politischen Ebenen und f\u00fcr die verschiedensten Parlamente bei den Gr\u00fcnen gemacht, insbesondere mit der Gr\u00fcnen Jugend. Dadurch war ich schon immer viel digital unterwegs. Insbesondere f\u00fcr die jugendliche Community fand der Wahlkampf \u00fcber Social Media und die Bebilderung von Texten online statt, um so eine gr\u00f6\u00dfere Reichweite zu erzielen.<br \/>\nF\u00fcr die Bundestagswahl haben wir fr\u00fch den Fokus auf YouTube als digitales Tool gelegt. Mit dem Kanal \u201eGr\u00fcn hinter den Ohren\u201c m\u00f6chten wir den n\u00e4chsten Schritt gehen. Zus\u00e4tzlich nutzen wir Instagram als Medium, um die jugendliche Zielgruppe anzusprechen. F\u00fcr mich ist auch genau das das wichtigste Ziel in diesem Wahlkampf: Jugendliche ansprechen, weil ich f\u00fcr die Jugend in den Bundestag m\u00f6chte. Ich hoffe, dass sich viele davon eine Scheibe abschneiden und wir alle mehr darauf achten, die Jugend mitzunehmen in diesem Wahlkampf, da es schlie\u00dflich um unsere Zukunft geht und wir diese gemeinsam gestalten sollten.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie bereits in der Vergangenheit vor allem Social-Media-Kan\u00e4le genutzt haben, bauen Sie dann aktuell eher auf die bestehende Community auf oder m\u00fcssen Sie pro Plattform eine neue Community aufbauen und so neue Leute gewinnen?<\/strong><\/p>\n<p>Sowohl als auch! Mit dem YouTube Kanal \u201eGr\u00fcn hinter den Ohren\u201c haben wir neu angefangen, aber es gibt durchaus einige innerhalb unserer Community, die schnell mit uns auf die neue Plattform umsatteln. Bei anderen Plattformen gibt es sehr etablierte gro\u00dfe Abonnentenzahlen, die uns gerne zuh\u00f6ren und gerade auf Twitter gelingt es uns auch manchmal aus der eigenen \u201eBubble\u201c auszusteigen.<\/p>\n<p><strong>Viele der Kandidatinnen und Kandidaten der Gr\u00fcnen bei dieser Bundestagswahl sind j\u00fcnger und sorgen durch die eigene Schwerpunktsetzung f\u00fcr eine Verschiebung der Themen im Wahlkampf. Glauben Sie, dass es nach der Wahl auch zu einer Verschiebung der Schwerpunktthemen innerhalb der Bundestagsfraktion kommen wird?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, wir alle bringen das Thema \u201eGenerationengerechtigkeit\u201c mit. Corona hat uns sehr stark gezeigt, dass die Perspektive junger Leute weitestgehend ignoriert wird von der aktuellen Politik. Wir wissen auch, dass das aktuelle Wahlrecht ungef\u00e4hr 16% der Bev\u00f6lkerung davon ausschlie\u00dft, an demokratischen M\u00f6glichkeiten wie einer Wahl teilzunehmen. Denn diese 16% sind unter 18 Jahre alt und d\u00fcrfen deswegen nicht w\u00e4hlen. Diese Gruppe wei\u00df jedoch, dass die Politik auch ihr Leben mitgestaltet, und deswegen brauchen wir mehr Generationengerechtigkeit. Das ist das, was eine junge Fraktion oder die Vertreter der Gr\u00fcnen Jugend in der Bundestagsfraktion ganz klar mitbringen und diese Perspektiven auch einbringt, die momentan so sehr fehlen in der derzeitigen Politik.<\/p>\n<p>Diese Gruppe kann sich dann f\u00fcr vern\u00fcnftigen Klimaschutz einsetzen, der unsere Lebensgrundlage retten kann, f\u00fcr mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit im Bildungssystem und f\u00fcr einen Generationenvertrag, der daf\u00fcr sorgt, dass meine Rente h\u00f6her ist als 226 Euro. All das sind Fragen, die die j\u00fcngeren Abgeordneten st\u00e4rker mit einbringen werden und deshalb freue ich mich auch, dass wir so viele junge Leute auf der Bundesebene sind, die jetzt zusammen mit der Gr\u00fcnen Jugend eine gro\u00dfe Gerechtigkeitskampagne durchf\u00fchren und genau diese Gerechtigkeits- und Generationsgerechtigkeitsfragen diskutieren wollen. <strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Noch eine weitere Frage mit dem Blick darauf, wie die zuk\u00fcnftige Bundestagsfraktion aussehen k\u00f6nnte. Wird es sich bemerkbar machen, dass viele j\u00fcngere Kandidatinnen und Kandidaten mit einem eher aktivistischen Hintergrund, vertreten sind, w\u00e4hrend gleichzeitig die Parteispitze eher als vermeintlich \u201eRealo\u201c gilt? <\/strong><\/p>\n<p>Die Gr\u00fcne Partei ist daf\u00fcr bekannt, f\u00fcr sehr viele Meinungen Platz zu finden. Wir sind es gewohnt, Debatten zu f\u00fchren und dann auch gemeinsam L\u00f6sungen zu finden. Ich glaube, dass dieser Platz, den die Debatten innerhalb unserer Partei einnehmen, auch innerhalb der Fraktion eingenommen wird und unsere Basisdemokratie daf\u00fcr ein Erfolgskonzept ist.<\/p>\n<p>Annalena Baerbock und Robert Habeck als F\u00fchrungsebene die \u201evermeintlich so realo\u201c ist, f\u00fchren die Partei und nutzen hierf\u00fcr auch die Basisdemokratie als Grundlage. So stelle ich es mir auch innerhalb der Fraktion vor. Unsere Aufgabe als Gr\u00fcne Jugend ist es, ab und zu den Finger in die Wunde zu legen und auf progressive Ideen zu achten, auf diese zu pochen und ein Gegengewicht zu sein. Das wichtigste f\u00fcr den Wahlkampf ist jetzt, dass wir uns in den Kernfragen immer einig sind. Das w\u00e4re unser Einsatz gegen die Klimakrise und das wir f\u00fcr soziale Gerechtigkeit und den Feminismus streiten. Mit unserem Wahlprogramm, dass wir gemeinsam beschlossen haben, wollen wir nun gemeinsam an einem Strang ziehen und deshalb bin ich guter Dinge, dass wir Schulter an Schulter die Union aus dem Kanzleramt bekommen und dann f\u00fcr den schnellst-wirksamsten und gerechtesten Koalitionsvertrag jemals streiten. Danach k\u00f6nnen wir uns auch wieder \u00fcber Detailfragen streiten, aber zun\u00e4chst ist bei dieser Wahl erst einmal alles drin.<\/p>\n<p><strong>Glauben Sie denn, dass diese Generationenthemen auch die gleiche Wertsch\u00e4tzung wie zum Beispiel Wirtschaft- oder Au\u00dfenpolitik erhalten werden, obwohl sie vermeintlich nur einen Teil der Bev\u00f6lkerung ansprechen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sagen, dass in diesem Thema unsere Gesellschaft sehr geteilt ist. Die Themen, die ich eben angesprochen habe, wo zum Beispiel auch die Klimadebatte dazugeh\u00f6rt, werden in der Gesellschaft sehr breit diskutiert. Dieses Thema war auch der EU-Wal entscheidend und dies hat sich insbesondere auch in der Jugendbewegung wie zum Beispiel bei \u201eFridays for Future\u201c gezeigt. Ein anderes Thema, welches weniger breit diskutiert wurde, ist der \u201eQueerfeminismus\u201c, der nicht in allen Bereichen der Gesellschafft pr\u00e4sent ist. Gerade aus dem Teil des konservativen Spektrums wird das Thema oft abgetan und nicht ernstgenommen. Es gibt dort eine Diskussion \u00fcber die \u201eGendersprache\u201c und wird dargestellt als sei dies etwas v\u00f6llig Abstruses. In anderen Teilen der Gesellschaft wird dies wiederum viel st\u00e4rker wertgesch\u00e4tzt, wie man auch an den Menschen sieht, die am 8. M\u00e4rz auf die Stra\u00dfe gehen und daf\u00fcr k\u00e4mpfen. \u201eQueerfeminismus\u201c ist ein gr\u00fcnes Kernthema, dem wir Aufmerksamkeit geben wollen. Als Beispiel haben wir auch in Hamburg eine gro\u00dfe feministische Aktion veranstaltet, bei der wir auf gro\u00dffl\u00e4chigen Plakaten \u00fcber Schwangerschaftsabbr\u00fcche informiert haben. Wir haben viel Zuspruch daf\u00fcr erhalten, dass wir uns gegen die Paragrafen 218 und 219a eingesetzt haben und \u00fcber Schwangerschaftsabbr\u00fcche informiert haben. Denn Fach\u00e4rzt:innen d\u00fcrfen das leider immer noch nicht. Dadurch wird das Thema diskutiert, auch wenn manchmal angezweifelt wird, dass es \u00fcberhaupt ein wichtiges Thema sei, sich f\u00fcr die Gleichberechtigung einzusetzen. Es ist unsere gesellschaftliche Aufgabe.<\/p>\n<p><strong>Die Rolle eines Bundestagsabgeordneten wird einem nicht beigebracht. Was tun Sie vielleicht jetzt schon um sich auf Ihre neue Rolle vorzubereiten? Bei einer erfolgreichen Wahl \u2013 wie sieht Ihr Plan jetzt und in den ersten zwei Wochen danach aus, um dieser Rolle gerecht zu werden?<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorbereitungen laufen bereits jetzt schon. Ich stehe im Austausch mit politischen Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus ganz Deutschland wie auch bisherigen Abgeordneten, um mich fachlich auf die Aufgabe vorzubereiten. Hier gibt es einige Angebote durch die Partei, aber ich spreche auch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern oder Expertinnen und Experten zu f\u00fcr mich wichtigen Themen. Besonders hilfreich ist dabei, dass B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen in ihren Gremien schon immer mit Expertinnen und Experten zusammengearbeitet hat, die daf\u00fcr sorgen, dass wir ein sehr gro\u00dfartiges, sehr evidenzbasiertes Programm als Partei haben.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es eine starke Vernetzung mit den anderen Gr\u00fcne Jugend-Kandidierenden. Innerhalb dieser Vernetzung ergibt sich dann auch mit wem man gut zusammenarbeiten kann und auch welche B\u00fcndnisse man pflegen muss, um dann im Mandat Dinge umsetzen zu k\u00f6nnen. In diesem Prozess des Vorbereitens geht es auch darum, die Zukunft des YouTube Kanals \u201eGr\u00fcn hinter den Ohren\u201c zu diskutieren, meine Rolle als Abgeordnete in der Stadt Hamburg zu definieren, aber auch wo ich mich in Netzwerken in Berlin einklinken kann. Die Vorbereitungen sind hierf\u00fcr bereits auf Hochtouren am Laufen und ich bin froh, dass ich ein Team habe, mit dem ich mich auch beraten kann.<\/p>\n<p><strong>Woher beziehen Sie in der Vorbereitung Ihre Informationen? Ist Social Media wie zum Beispiel YouTube oder Twitter hierf\u00fcr ein Weg, um ein Gef\u00fchl f\u00fcr Themen zu bekommen oder beziehen Sie die Informationen \u00fcberwiegend \u00fcber die parteiinternen Kan\u00e4le?<\/strong><\/p>\n<p>Am meisten hilft mir der Austausch mit Fachpolitikerinnen und -politikern, weil diese tief in der Materie stecken. Dementsprechend entsteht ein interner Austausch mit fachkompetenten Mitgliedern. Das hei\u00dft allerdings nicht, dass man sich nur innerhalb der \u201egr\u00fcnen\u201c Blase bewegt. In den Arbeitsgemeinschaften sitzen Expertinnen und Experten aus allen Bereichen des Lebens. In dieser Hinsicht ist auch die Basis unserer Partei sehr fachlich orientiert und es wird einem erm\u00f6glicht sich schnell in diese Netzwerke hineinzufinden, um sich dort weiter kundzutun. Ich bin nun schon lang genug in der Politik, damit ich mir kein YouTube Video mehr anschauen muss, aber ich h\u00f6re Menschen gerne zu, wenn sie auf mich zukommen, so ist ja auch dieses Gespr\u00e4ch zustande gekommen. Ich will keine Politik f\u00fcr Lobbys machen, sondern Politik f\u00fcr Menschen machen und von den Menschen f\u00fcr die Menschen versuchen in das Parlament zu kommen, dass repr\u00e4sentativ sein soll. Dementsprechend ist der Austausch mit jungen Menschen f\u00fcr mich besonders wichtig.<\/p>\n<p><strong>Eine weitere spannende Phase werden die Koalitionsverhandlungen. Sie waren bereits 2020 in Hamburg mittendrin. Was waren daraus Ihre gr\u00f6\u00dften \u201eKey Learnings\u201c, die Sie mitgenommen haben?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr mich war eine wichtige Erkenntnis, dass ein Kompromiss nicht gleich ein Kompromiss ist. In der Gr\u00fcnen Jugend nach einem Kompromiss zu suchen ist etwas anderes, als als Gr\u00fcne Partei mit der SPD einen Kompromiss zu finden. In der Gr\u00fcnen Jugend stehen wir alle auf einem sehr \u00e4hnlichen Wertekonstrukt, sodass wir \u00fcberwiegend \u00fcber Detailfragen streiten.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Koalition mit der SPD Kompromisse auszuhandeln, war f\u00fcr mich etwas Anderes. Obwohl wir als Parteien beide links der Mitte stehen, haben wir sehr unterschiedliche Ideale gehabt. Das merkt man auch, wenn man die beiden Wahlprogramme nebeneinanderlegt. Da habe ich f\u00fcr mich einen Crashkurs erlebt, wie eine Kompromissfindung auf dieser Ebene stattfindet. Gleichzeitig habe ich aber auch ein dem\u00fctiges Gef\u00fchl erlebt, zu verstehen, wie wichtig es in einer Demokratie ist, ausreichend um diese Kompromisse zu ringen, damit sich etwas bewegt.<\/p>\n<p>In der Politik geht es genau darum: Kompromisse zu finden und sich darum zu bem\u00fchen, gangbare Wege zu finden. Daraus habe ich auch viel f\u00fcr den kommenden parlamentarischen Betrieb mitgenommen und werde es gerne im kommenden Bundestag einbringen.<\/p>\n<p><strong>War Ihre inhaltliche Vorbereitung f\u00fcr die Koalitionsverhandlungen in Hamburg \u00fcberwiegend durch die innerparteilichen Strukturen sowie Expertinnen und Experten gepr\u00e4gt oder haben Sie auch externe Stellungnahmen von Verb\u00e4nden und Unternehmen erhalten? <\/strong><\/p>\n<p>Meine Rolle in den Koalitionsverhandlungen in Hamburg war eine andere als sie es jetzt f\u00fcr den Bundestag sein wird. Ich war die Vertreterin der Gr\u00fcnen Jugend und nun bin ich heute Kandidatin der Gr\u00fcnen und der Gr\u00fcnen Jugend zugleich. Damals sa\u00df ich explizit als Vertreterin der hamburgischen Jugend in den Koalitionsverhandlungen. Entsprechend lief die Vorbereitung sehr stark \u00fcber den Jugendverband. An dieser Stelle hat es sich im Hinblick auf die Bundestagswahl nun verbreitert, weil ich mich auch einfach bundesweit noch st\u00e4rker vernetzt habe.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sorry, this entry is only available in DE.Im Fr\u00fchjahr 2020 haben Sie noch unter \u201enormalen Bedingungen\u201c Wahlkampf f\u00fcr die Hamburger B\u00fcrgerschaft gemacht. Mittlerweile findet der Wahlkampf pandemiebedingt \u00fcberwiegend online statt. 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