{"id":2980,"date":"2021-02-11T12:47:50","date_gmt":"2021-02-11T11:47:50","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=2980"},"modified":"2021-03-04T11:14:11","modified_gmt":"2021-03-04T10:14:11","slug":"taktischer-urbanismus-ein-baustein-fuer-den-urbanen-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/2021\/02\/11\/taktischer-urbanismus-ein-baustein-fuer-den-urbanen-wandel\/","title":{"rendered":"Taktischer Urbanismus: Ein Baustein f\u00fcr den urbanen Wandel"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2980\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"DE\">DE<\/a>.<\/p><p><strong>Gemeinsam mit dem Hamburger Tech-Unternehmen Wunder Mobility ver\u00f6ffentlichen wir einen monatlichen Mobility-Policy-Newsletter. Im Fokus stehen alle Fragen rund um das Thema Mobility, Regulierung und Technologie. Auf unserem Blog ver\u00f6ffentlichen wir nun den n\u00e4chsten Artikel zum Thema \u201eTaktischer Urbanismus\u201c. Hierzu haben wir uns auch mit <a href=\"https:\/\/antje-kapek.de\/\">Antje Kapek<\/a>, <\/strong><strong>Fraktionsvorsitzender der Gr\u00fcnen im Berliner Abgeordnetenhaus, ausgetauscht.<\/strong><\/p>\n<p>Das Einrichten von Pop-up-Fahrradwegen und die Erweiterung von Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen w\u00e4hrend der COVID-19-Pandemie ist ein Ph\u00e4nomen, das viele St\u00e4dte auf der ganzen Welt beeinflusst hat. Neue Regeln und Routinen des Social Distancing entwickelten sich zur neuen Normalit\u00e4t, als vor allem gehen und Rad fahren als sichere Methoden der Mobilit\u00e4t in st\u00e4dtischer Umgebungen empfohlen wurden. Untersuchungen zeigen, dass bis Mai 2020 in mehr als 140 St\u00e4dten auf der ganzen Welt lokale Ma\u00dfnahmen zur Unterst\u00fctzung des Gehens und Radfahrens in Zeiten von Social Distancing umgesetzt wurden, wobei sich viele von ihnen auf die Umwidmung von Parkpl\u00e4tzen und Stra\u00dfenspuren fokussierten.<\/p>\n<p>Die Umstrukturierung von \u00f6ffentlichem Raum mit der Absicht, dass sich die B\u00fcrger aktiver mit ihrer st\u00e4dtischen Infrastruktur auseinandersetzen, ist Teil einer neuen Bewegung in dicht besiedelten Gebieten. So sollen Ideen entwickelt und Alternativen gepr\u00fcft werden, die eine Stadt lebenswerter machen k\u00f6nnen. Bereits 2005 haben Stadtplaner und Aktivisten in den USA Ideen gesammelt, wie b\u00fcrgergef\u00fchrte Projekte ihren politischen Entscheidungstr\u00e4gern die M\u00f6glichkeiten zur Neugestaltung von Parkpl\u00e4tzen aufzeigen k\u00f6nnten. Bis 2009 f\u00fchrte dieser Aktivismus dazu, dass der Times Square, der gr\u00f6\u00dfte Verkehrsknotenpunkt von New York City, teilweise in eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone f\u00fcr die Stadtbewohner umgewandelt wurde. Angefangen mit der Absicht einer kurzfristigen Aktion, kam die Initiative so gut an, dass die Vertreter der Stadt beschlossen, die teilweise Umgestaltung des Times Square dauerhaft zu installieren.<\/p>\n<p>Was auf lokaler Ebene mit einer Handvoll Menschen begann, die ein Parkticket bezahlten, um St\u00fchle und Sitzgelegenheiten aufzustellen, hat sich mittlerweile zu einem internationalen und j\u00e4hrlich organisierten &#8220;Park(ing) Day&#8221; entwickelt, der weltweit von vielen Kommunen unterst\u00fctzt wird. Auch Antje Kapek, Fraktionsvorsitzende der Gr\u00fcnen im Berliner Abgeordnetenhaus, hat im letzten Jahr daran teilgenommen und unterstreicht die Notwendigkeit dieses Tages: \u201eEs geht schlie\u00dflich ja um die Frage: In was f\u00fcr einer Stadt wollen wir leben? Wir sehen, dass sich viele B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger eine sicherere, sauberere und leisere Stadt w\u00fcnschen, in der gen\u00fcgend Platz ist f\u00fcrs Flanieren, Spielen und f\u00fcr Gr\u00fcn. Der Parking Day ist daf\u00fcr ein gutes Beispiel. Er stellt die Frage der Fl\u00e4chengerechtigkeit ganz praktisch: Wie w\u00e4re es, wenn ein Nachbarschaftscaf\u00e9, ein Blumenbeet oder eine \u00f6ffentliche Lese-Ecke dort entsteht, wo jetzt noch Autos parken?\u201c<\/p>\n<p>An der Basis dieser Form des Aktivismus steht eine Theorie, die unter Stadtplanern als \u201eTaktischer Urbanismus\u201c (TU) bekannt ist. TU ist ein Ansatz, bei dem eine Gemeinschaft mit nur sehr geringen Kosten ein kleines, tempor\u00e4res Ereignis im \u00f6ffentlichen Raum schafft, um eine Ver\u00e4nderung zu provozieren. Diese kann dann zu dauerhaften L\u00f6sungen f\u00fchren und einen Politikwechsel ausl\u00f6sen. Ein solches Ereignis kann sehr spontan oder organisch geschehen, kann aber auch geplant sein und als Teil einer st\u00e4dtischen Strategie eingebunden werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen beabsichtigten Politikwechsel ist es wichtig zu verstehen, dass sich die Teilnehmer und Organisatoren oft von den lokalen politischen Entscheidungstr\u00e4gern unterscheiden. Taktischer Urbanismus hat die Absicht, eine andere und neue Perspektive hinzuzuf\u00fcgen. Dieser Bottom-up-Ansatz kann den Verantwortlichen in der Gemeinde helfen, neue Sichtweisen auf bestehende Regelungen zu entwickeln. Um den Wandel jedoch zu kultivieren und diese kurzfristigen Vorzeigeprojekte in institutionalisierte Ma\u00dfnahmen und Politiken zu \u00fcberf\u00fchren, m\u00fcssen st\u00e4dtische Beamte ab einem bestimmten Punkt des Prozesses einbezogen werden. Am Beispiel der Neuverteilung von Parkpl\u00e4tzen haben <a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/2073-445X\/9\/7\/217\/pdf\">Wissenschaftler der Universit\u00e4t Warschau und der Victoria University of Wellington<\/a> die notwendigen Schritte f\u00fcr eine erfolgreiche Institutionalisierung analysiert. Als erstes wird ein Projekt durch unabh\u00e4ngig organisierte Aktivistengruppen initiiert, die anschlie\u00dfend der Stadtverwaltung erste Beweise vorlegen m\u00fcssen, um eine offizielle Genehmigung f\u00fcr die Wiederholung des Projekts zu erhalten. Dies l\u00e4sst sich als die zweite Stufe der Institutionalisierung darstellen. Mit gen\u00fcgend Dokumentation und Informationen, die zu den politischen Anforderung der f\u00fchrenden politischen Partei im Amt passen, k\u00f6nnen diese wiederkehrenden Initiativen genug Unterst\u00fctzung ausl\u00f6sen, um vom Stadtrat finanziert zu werden. Der letzte Schritt zur vollst\u00e4ndigen Institutionalisierung wird schlie\u00dflich erreicht, wenn Stadtbeamte die Aktion selbst organisieren, wie im folgenden neuseel\u00e4ndischen Beispiel: Nach der erfolgreichen Implementierung von kosteng\u00fcnstigen und schnellen Prototypen hat die Verkehrsministerin des Landes, Julie Anne Genter, ihre St\u00e4dte eingeladen, sich um eine 90-prozentige F\u00f6rderung f\u00fcr einen tempor\u00e4ren Ausbau der Gehwege und Radwege zu bewerben. Das Ziel ist es, Ma\u00dfnahmen zu unterst\u00fctzen, die innerhalb von Stunden und Tagen statt Wochen oder Monaten umgesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kapek sieht Berlin auf einem \u00e4hnlichen Pfad: \u201eIn Berlin hat die lebendige Zivilgesellschaft schon viel erreicht und die parlamentarische Arbeit oft bereichert: So haben wir als Berliner Abgeordnetenhaus als Antwort auf den Fahrrad-Volksentscheid zum Beispiel das bundesweit einmalige Mobilit\u00e4tsgesetz verabschiedet, das dem \u00f6ffentlichen Nahverkehr und dem Fahrrad- und Fu\u00dfverkehr erstmals gesetzliche Priorit\u00e4t gegen\u00fcber dem Auto einr\u00e4umt.\u201c<\/p>\n<p>Dennoch, in Deutschland steckt diese Art von st\u00e4dtischem Aktivismus noch in den Kinderschuhen und beginnt, mehr politische und \u00f6ffentliche Anerkennung zu erhalten. W\u00e4hrend Kommunen \u00fcber zuk\u00fcnftige \u00c4nderungen der Stra\u00dfenverkehrsordnung (StVO) diskutieren, um den \u00f6ffentlichen Raum f\u00fcr ihre B\u00fcrger neu zu ordnen, k\u00f6nnen die Erkenntnisse des taktischen Urbanismus eine wertvolle Perspektive bieten. Organisationen und B\u00fcrger k\u00f6nnen dieses Werkzeug nutzen, um Ideen einzubringen und die Notwendigkeit zu verdeutlichen, sich aktiv in die politischen Diskussionen einzubringen. Insgesamt ist der taktische Urbanismus eine M\u00f6glichkeit, um Prototypen und Ideen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen der st\u00e4dtischen Infrastruktur vorzustellen. Sie werden von der breiten \u00d6ffentlichkeit vorangetrieben, um dadurch offenzulegen, wie St\u00e4dte nachhaltiger und lebenswerter werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel hat Ihnen gefallen? <\/strong><strong><span id=\"ember10723\" class=\"ember-view\">Hier geht es zur Anmeldung f\u00fcr den Newsletter:\u00a0<\/span><a id=\"ember10727\" class=\"feed-shared-text-view__hyperlink ember-view\" tabindex=\"0\" href=\"https:\/\/www.wundermobility.com\/policybrief\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.wundermobility.com\/policybrief<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Geben Sie uns gerne auch ein Feedback und liken oder teilen ihn via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bernstein_group\">Twitter <\/a>und <a href=\"https:\/\/de.linkedin.com\/company\/bernstein-group\">LinkedIn<\/a>.<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sorry, this entry is only available in DE.Gemeinsam mit dem Hamburger Tech-Unternehmen Wunder Mobility ver\u00f6ffentlichen wir einen monatlichen Mobility-Policy-Newsletter. 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