{"id":2754,"date":"2020-11-25T15:50:38","date_gmt":"2020-11-25T14:50:38","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=2754"},"modified":"2020-11-25T15:55:26","modified_gmt":"2020-11-25T14:55:26","slug":"keine-blaupause-kein-richtig-oder-falsch-so-funktioniert-gute-litigationkommunikation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/2020\/11\/25\/keine-blaupause-kein-richtig-oder-falsch-so-funktioniert-gute-litigationkommunikation\/","title":{"rendered":"Keine Blaupause: So funktioniert gute Litigation-Kommunikation"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2754\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"DE\">DE<\/a>.<\/p><p>\u201eAuch Richter lesen Zeitung\u201c sagte ein ehemaliger Kollege von uns gerne, wenn er den versammelten Juristinnen und Juristen in der Runde erkl\u00e4rte, warum die rechtliche Einsch\u00e4tzung eines Streitfalls nicht allein die Strategie bestimmen darf. Noch heute geh\u00f6rt dieser Satz f\u00fcr uns zu den Leitgedanken unserer Kommunikationsarbeit bei rechtlichen Auseinandersetzungen. Im Laufe der Jahre sind ein paar weitere dazugekommen. Die wichtigsten: \u201eEs bleibt immer etwas h\u00e4ngen.\u201c und \u201eNicht alles was legal ist, ist auch legitim.\u201c<\/p>\n<p>Es geht um Litigation-Kommunikation, und das ist nach unserem Verst\u00e4ndnis bei Tsambikakis &amp; Partner und in der Bernstein Group mehr als nur Pressearbeit und Streit vor Gericht oder mit Ermittlungsbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Litigation-Kommunikation ist vor allem Krisenkommunikation, das kommunikative Management einer Sondersituation, in der andere Gesetze gelten als in \u201eFriedenszeiten\u201c. Wesentliche Bestandteile guter Litigation-Kommunikation sind strategische Planung, schnelle Reaktion, psychologisches Feingesp\u00fcr, profunde Kenntnis der juristischen Abl\u00e4ufe und journalistischen Herangehensweisen sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Juristen und Kommunikationsberatern, die gemeinsam die Interessen des Mandanten vertreten. Dazu kommt die ausgepr\u00e4gte F\u00e4higkeit, selbst komplexeste juristische Sachverhalte in eine anschauliche und anschlussf\u00e4hige Erz\u00e4hlung zu \u00fcberf\u00fchren. Litigation-Kommunikation hat immer und jederzeit <em>alle<\/em> internen und externen Stakeholder einer juristischen Auseinandersetzung im Blick, nicht nur die Medien.<\/p>\n<p>Wie funktioniert zeitgem\u00e4\u00dfe Litigation-Kommunikation? Gemeinsam haben wir diese Frage im Herbst 2020 mit Studierenden an der Bucerius Law School diskutiert.<\/p>\n<p><strong>Das A&amp;O: die gute Zusammenarbeit von Juristen und Kommunikatoren<\/strong><\/p>\n<p>Die wichtigste Voraussetzung guter Litigation-Kommunikation ist die offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Juristen und Kommunikationsberatern. In vielen Unternehmen herrscht bei juristischen Auseinandersetzungen jedoch noch immer die Devise \u201eComms follows Legal\u201c. Diese Regel funktionierte schon in der Mediengesellschaft nicht, und seit Social Media zum <em>Newsroom<\/em> aller geworden ist, ist sie endg\u00fcltig obsolet.<\/p>\n<p>Beschuldigte haben im Gerichtssaal ein Aussageverweigerungsrecht, Zeugen ein Zeugnisverweigerungsrecht. Aus gutem Grund. Sie sollen sich nicht selbst belasten m\u00fcssen. Doch im \u00f6ffentlich-medialen Diskurs kommt ein \u201eKein Kommentar\u201c schon einem Schuldeingest\u00e4ndnis gleich. Juristische Argumentation und \u00f6ffentlich-mediale Argumentation funktionieren also unterschiedlich. Sie d\u00fcrfen sich nicht widersprechen. Sie m\u00fcssen sich erg\u00e4nzen und im Idealfall gegenseitig verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Viele Unternehmen haben juristische Siege bitter bezahlt, weil die juristische Strategie nicht eingepreist hatte, dass ein Sieg im Gerichtssaal nicht automatisch auch die \u00d6ffentlichkeit, also Kundinnen und Kunden, \u00fcberzeugt. Kommunikationsverantwortliche in Unternehmen sollten nicht z\u00f6gern, externe Berater bei Litigation-Themen hinzuzuziehen und so ihre Position im Unternehmen zu st\u00e4rken, um ihren Einsch\u00e4tzungen mehr Gewicht zu verleihen.<\/p>\n<p><strong>Passiv- und Aktivseite<\/strong><\/p>\n<p>Idealerweise holen sich Kommunikationsverantwortliche Support schon ins Haus, bevor es brennt. Doch der Regelfall ist das nicht. Viele unserer Mandate beginnen auf der Passivseite: Ein Unternehmen ist mit einer Klage oder unangenehmen Presseanfragen konfrontiert, oder schlimmer noch mit einer Durchsuchungsaktion der Staatsanwaltschaft, sofort gefolgt von Schadensersatzanspr\u00fcchen einer Aktion\u00e4rsvereinigung. Dann ist unsere Aufgabe zun\u00e4chst oft, Zeit zu gewinnen, eine schnelle Erstreaktion sicherzustellen, die Fakten schnellstm\u00f6glich zusammenzustellen und eine passende kommunikative und damit auch \u00f6ffentliche Verteidigungsstrategie zu entwickeln. Der gr\u00f6\u00dfte Nachteil der Passivseite ist, dass der Gegner das \u00dcberraschungsmoment auf seiner Seite und den Ton gesetzt hat. Aber die Passivseite bietet auch Vorteile: Der Handlungsdruck ist gro\u00df, oft braucht es daher f\u00fcr Entscheidungen keine langwierigen Abstimmungsrunden.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber funktioniert die Arbeit auf der Aktivseite anders: Wir k\u00f6nnen auf das \u00dcberraschungsmoment z\u00e4hlen. Wir k\u00f6nnen etwa eine Strafanzeige durch eine exklusive Berichterstattung begleiten und ihr so mehr Wucht verleihen und selbst erste Fakten schaffen. Ein weiterer Vorteil der Aktivseite ist, dass wir Zeit haben, Szenarien und die mediale Dramaturgie zu planen. Juristen und Kommunikationsberater k\u00f6nnen die Stakeholder gemeinsam ordnen und die Planung dann Punkt f\u00fcr Punkt ausrollen.<\/p>\n<p><strong>Es gibt keine Blaupause, kein richtig oder falsch<\/strong><\/p>\n<p>Doch gleich, ob Aktiv- oder Passivseite \u2013 gute Litigation-Kommunikation durchl\u00e4uft im Regelfall immer wieder vier T\u00e4tigkeitsfelder:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Intelligence<br \/>\n<\/strong>Die datengest\u00fctzte Informationsbeschaffung ist die Grundvoraussetzung f\u00fcr erfolgreiche Litigationarbeit. Hierzu geh\u00f6ren Stakeholderanalysen, investigative Recherchen, Open Source Intelligence, kurz OSINT, Profiling (das Aufdecken von Hintergr\u00fcnden, Interessen, Zusammenh\u00e4ngen und Netzwerken) genauso wie die automatisierte und maschinelle Auswertung gro\u00dfer Datenmengen.<\/li>\n<li><strong>Strategie<\/strong><br \/>\nDie schl\u00fcssige Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Handeln des Mandanten ist Kern der juristischen wie der medialen und damit \u00f6ffentlichen Argumentation. Juristen machen die Pressetexte rechtssicher, und umgekehrt sehen Kommunikationsberater die juristischen Schrifts\u00e4tze auf St\u00e4rken und Schw\u00e4chen sowie auf Themen durch, die vielleicht im Gerichtssaal eine untergeordnete Rolle spielen, medial aber entweder gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnen oder Chancen bieten.<\/li>\n<li><strong>Kommunikation<br \/>\n<\/strong>Die klassische Pressearbeit ist in den Verfahren, die wir gemeinsam begleiten, von zentraler Bedeutung, das Hintergrundgespr\u00e4ch, das Interview, der richtige Hinweis zum richtigen Zeitpunkt. F\u00fcr unsere Mandanten \u00fcbernehmen wir immer wieder auch selbst die Sprecherfunktion.<\/li>\n<li><strong>Training<br \/>\n<\/strong>Und wir bereiten unsere Mandanten auf ihre Auftritte vor Gericht, Medien und Aussch\u00fcssen vor. Wir haben festgestellt, dass dies insbesondere f\u00fcr Beschuldigte und Zeugen von gro\u00dfer Bedeutung ist, denn sie befinden sich vor Gericht in einer pers\u00f6nlichen Ausnahmesituation, stehen unter Stress und reagieren oft mit Flucht- oder Kampfreflexen, die die eigene Position schw\u00e4chen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Blick auf die vier Arbeitsfelder zeigt, was gute Litigation-Kommunikation im Kern ausmacht: harte Arbeit, viel lesen und verstehen, viel zuh\u00f6ren und einordnen, und vor allem: viele Fragen stellen, also etwa: Welche Argumente haben wir auf unserer Seite? Wo sind unsere Schwachpunkte? Welchen Trumpf k\u00f6nnte der Gegner aus dem \u00c4rmel ziehen? Welche juristischen Mittel stehen uns zur Verf\u00fcgung? Wem n\u00fctzt es, wenn bestimmte Informationen verbreitet werden? Wann m\u00fcssen wir medial reagieren, wann nicht?<\/p>\n<p>Wir haben schier endlos lange Fragelisten, anhand derer wir die uns anvertrauten F\u00e4lle er\u00f6rtern. Blaupausen, was richtig und was falsch ist, gibt es jedoch nicht, weder im Gerichtssaal noch bei der Kommunikation.<\/p>\n<p>Sie wollen mehr \u00fcber Litigation-Kommunikation erfahren? Dann setzen Sie sich mit uns in Verbindung: <a href=\"mailto:kunkel@bernstein-group.com\">kunkel@bernstein-group.com<\/a> und <a href=\"mailto:Huber@tsambikakis.com\">huber@tsambikakis.com<\/a> <em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Was wir anbieten:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Anwaltliche Beratung, Verteidigung oder Vertretung in allen rechtlichen Verfahren und Streitigkeiten, Intelligence zu allen Stakeholdern in Zivil- und Strafverfahren, OSINT-Recherchen, Netzwerkanalysen, die Entwicklung einer zielgerichteten Kommunikationsstrategie, die die juristische Strategie unterst\u00fctzt, \u00dcbernahme der Sprecherfunktion, Medienarbeit, Vorbereitung von Auftritten vor Medien, Aussch\u00fcssen und Gericht, Kommunikations- und Medientraining.<\/li>\n<li>Die Tsambikakis App bietet Ihnen eine Rundumversorgung in allen Notf\u00e4llen: So sind Sie bei Durchsuchungen, Verhaftungen und sonstigen Krisen rund um die Uhr sicher beraten. Die mobile Applikation informiert Sie umfassend \u00fcber die korrekten Verhaltensweisen und beantwortet Ihre dringendsten Fragen. Im Notfall nutzen Sie einfach die Notfallfunktion der App und werden sofort mit einem kompetenten Ansprechpartner verbunden. So sind Sie in jeder Ausnahmesituation bestens aufgestellt. Die App kann kostenfrei f\u00fcrs iPhone und f\u00fcr Android-Ger\u00e4te im App-Store und im Google Play Store heruntergeladen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sorry, this entry is only available in DE.\u201eAuch Richter lesen Zeitung\u201c sagte ein ehemaliger Kollege von uns gerne, wenn er den versammelten Juristinnen und Juristen in der Runde erkl\u00e4rte, warum die rechtliche Einsch\u00e4tzung eines Streitfalls nicht allein die Strategie bestimmen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":2407,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2754","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2754","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2754"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2754\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2773,"href":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2754\/revisions\/2773"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2754"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2754"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2754"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}