{"id":2504,"date":"2020-08-21T11:50:06","date_gmt":"2020-08-21T09:50:06","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=2504"},"modified":"2020-09-28T12:37:24","modified_gmt":"2020-09-28T10:37:24","slug":"insolvenz-in-eigenverwaltung-ohne-gute-kommunikation-scheitert-jede-sanierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/en\/2020\/08\/21\/insolvenz-in-eigenverwaltung-ohne-gute-kommunikation-scheitert-jede-sanierung\/","title":{"rendered":"Insolvenz in Eigenverwaltung: Ohne gute Kommunikation scheitert jede Sanierung"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2504\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"DE\">DE<\/a>.<\/p><p>Das Ende ist nie sch\u00f6n. Die Insolvenz ist f\u00fcr jedes Unternehmen der gr\u00f6\u00dfte anzunehmende Unfall, egal ob sie wegen mangelnder Liquidit\u00e4t oder \u00dcberschuldung erfolgt. Das deutsche Insolvenzrecht h\u00e4lt seit 2012 ein Instrument f\u00fcr Unternehmen bereit, das die Sanierung des Unternehmens in den Blick nimmt, nicht die Abwicklung: die Insolvenz in Eigenverwaltung mit der besonderen Spielart des Schutzschirmverfahrens. Mitentscheidend f\u00fcr jedes Eigenverwaltungsverfahren: eine engmaschige kommunikative Begleitung des gesamten Prozesses, die alle Stakeholder ber\u00fccksichtigt, von den Mitarbeitern \u00fcber die Gremien bis zu Politik, Investoren, Gl\u00e4ubigern, Kunden, Presse und Social Media.<\/p>\n<p><strong>Management bleibt an Bord<\/strong><\/p>\n<p>Wirtschaftsexperten sind sich einig: Auf Deutschland rollt wegen Corona eine Insolvenzwelle zu. Viele Gr\u00fcnder, CEOs und Manager stellen sich angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Lage die Frage, ob eine Insolvenz in Eigenverwaltung ihr Unternehmen vor dem Untergang retten kann. Der wichtigste Unterschied zur Regelinsolvenz: Das Management bleibt in der Insolvenz in Eigenverwaltung an Bord. Ziel ist ja der Erhalt des Unternehmens, von Teilen des Unternehmens oder wenigstens der erfolgreiche Verkauf. Neben den CEO tritt ein erfahrener Insolvenzexperte als Generalbevollm\u00e4chtigter, der das Management mit seinem rechtlichen Know-how unterst\u00fctzt. Ein vom zust\u00e4ndigen Amtsgericht bestellter Sachwalter wahrt die Interessen der Gl\u00e4ubiger, er trifft jedoch nicht die unternehmerischen Entscheidungen.<\/p>\n<p>Zentrales Instrument der Insolvenz in Eigenverwaltung ist der Insolvenzplan. Er legt fest, mit welchen Produkten und Dienstleistungen das Unternehmen k\u00fcnftig am Markt erfolgreich sein will. Der Plan legt auch fest, wie viel Prozent der Gl\u00e4ubigerforderungen bedient werden. Die Gl\u00e4ubiger m\u00fcssen dem Plan zustimmen.<\/p>\n<p><strong>Viele Stakeholder, unterschiedliche Interessen<\/strong><\/p>\n<p>Neben den n\u00fcchternen juristischen Tatsachen spielt der psychologische Effekt des Verfahrens eine zentrale Rolle: Insolvenzen sind die dramatischsten Momente im Leben eines Unternehmers und von hoher Intensit\u00e4t gepr\u00e4gt. Doch Krisenzeiten sind CEO-Zeiten. F\u00fcr das Eigenverwaltungsverfahren gilt dies noch mehr als f\u00fcr die Regelinsolvenz. Die Akteure m\u00fcssen unter hohem Druck den Insolvenzplan erarbeiten, die Belegschaft an Bord halten, Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite f\u00fchren, den Kunden eine klare Perspektive zum Fortbestand des Unternehmens aufzeigen und die Gl\u00e4ubiger \u00fcberzeugen, dass sie auf einen Teil ihrer Anspr\u00fcche verzichten m\u00fcssen, wenn das Unternehmen gerettet werden soll. Das alles muss der Unternehmer unter einem teilweise kaum zu ertragenden \u00f6ffentlichen Druck von Medien, Arbeitnehmervertretern und einer gegebenenfalls feindseligen Konkurrenz umsetzen. W\u00e4hrend b\u00f6rsennotierte Unternehmen an strenge Berichtspflichten und Twitterst\u00fcrme gewohnt sind, trifft es Mittelst\u00e4ndler oft unvorbereitet, wenn sie ans Licht der \u00d6ffentlichkeit gezerrt werden und wie unter einem Brennglas jedes noch so banal erscheinende Detail \u00f6ffentlich verhandelt wird.<\/p>\n<p><strong>Ohne gute Kommunikation scheitert jede Sanierung<\/strong><\/p>\n<p>Neben Sanierungsexperten, Juristen, Finanzern, Wirtschaftspr\u00fcfern und Personalern geh\u00f6ren daher Kommunikationsprofis zwingend zum Kernteam: Die gr\u00f6\u00dfte interne Herausforderung f\u00fcrs Management ist die Aufrechterhaltung des ordentlichen Gesch\u00e4ftsbetriebs. Der unmittelbar nach Insolvenzanmeldung einsetzende Braindrain muss einged\u00e4mmt werden. F\u00fchrungskr\u00e4fte und Belegschaft m\u00fcssen in kurzer Taktung \u00fcber die aktuellen Entwicklungen im Verfahren informiert werden. Das Unternehmen muss pers\u00f6nliche und digital verl\u00e4ngerte Kommunikations- und Austauschformate nutzen, in denen sich F\u00fchrungskr\u00e4fte und Mitarbeiter \u00fcber die Lage informieren und austauschen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Digitales Fr\u00fchwarnsystem<\/strong><\/p>\n<p>In einem Eigenverwaltungsverfahren prallen unterschiedliche Interessen hart aufeinander. Daher sind in der externen Kommunikation der kurze Draht zu den wesentlichen Stakeholdern sowie ein sensibles, datengest\u00fctztes Fr\u00fchwarnsystem von entscheidender Bedeutung: Die Kommunikatoren m\u00fcssen das Verfahren laufend f\u00fcr Journalisten, Politiker, Gewerkschafter und diverse weitere Stakeholder einordnen. Sie m\u00fcssen f\u00fcr verbindliche, konsistente und empathische Kommunikation des Unternehmens sorgen. Mit Hilfe eines digitalen Fr\u00fchwarnsystems k\u00f6nnen sich anbahnende Shitstorms und gezielt gestreute Falschinformationen fr\u00fchzeitig detektiert und die kommunikativen Gegenma\u00dfnahmen eingeleitet werden. Gute Kommunikation ist f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit in der sensiblen Restrukturierungsphase von Unternehmen erfolgskritisch. Sie muss datenbasiert sein und von versierten Experten mit Erfahrung und gro\u00dfem Netzwerk verantwortet werden. Kurz und gut: Ohne professionelle Kommunikation scheitert jede Sanierung.<\/p>\n<p>Dass eine Insolvenz in Deutschland vielfach noch immer mit einem pers\u00f6nlichen Scheitern der Akteure gleichgesetzt wird und mit gesellschaftlicher \u00c4chtung einhergeht, passt nicht mehr in unsere Zeit. Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist ein gangbarer Weg, in Schieflage geratene Unternehmen ganz oder wenigstens in Teilen zu erhalten.<\/p>\n<p>Drei Merkpunkte f\u00fcr die Insolvenz in Eigenverantwortung aus Kommunikationssicht:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Kommunikation ist Chefsache:<\/strong> Neben der professionellen juristischen Steuerung des Verfahrens muss das Unternehmen f\u00fcr professionelle Kommunikation sorgen. Sonst scheitert die Sanierung.<\/li>\n<li><strong>Brain Drain vermeiden:<\/strong> F\u00fcr die Mitarbeiter und ihre Familien bedeutet ein Insolvenzverfahren puren Stress. Sie haben ein besonders hohes Informations- und Austauschbed\u00fcrfnis. Wer das nicht ber\u00fccksichtigt, verliert das Know-how, das das Unternehmen gro\u00df gemacht hat.<\/li>\n<li><strong>\u00d6ffentliche Wirkung von Anfang an in die Entscheidungen einbeziehen: <\/strong>Die Systeme Wirtschaft, Gesellschaft und Politik sind in unserer Mediengesellschaft eng verzahnt. Nicht alles was f\u00fcr ein Unternehmen legal m\u00f6glich ist, ist politisch klug und gesellschaftlich durchsetzbar. Bei jeder Entscheidung muss daher auch ihre die \u00f6ffentliche Wirkung abgewogen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Hintergrund zur Insolvenz in Eigenverwaltung<\/strong><\/p>\n<p>Das Verfahren Insolvenz in Eigenverwaltung gibt es in Deutschland seit 2012. Zun\u00e4chst fristete sie in Deutschland ein Schattendasein. Das \u00e4nderte sich am 15. August 2017 schlagartig, als die damals zweitgr\u00f6\u00dfte deutsche Fluglinie, die airberlin, beim Amtsgericht Charlottenburg einen Insolvenzantrag stellte. Das Gericht ordnete am gleichen Tag die vorl\u00e4ufige Eigenverwaltung an.<\/p>\n<p>Heute ist die Insolvenz in Eigenverwaltung respektive das Schutzschirmverfahren angesichts der Corona-Pandemie wieder in aller Munde. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo ermittelte im Juli, dass sich ein F\u00fcnftel der deutschen Unternehmen f\u00fcr insolvenzgef\u00e4hrdet h\u00e4lt. Anfang August legte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform eine Studie vor, wonach sich die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen angesichts der Corona-Krise verschlechtert habe \u2013 ein sicheres Indiz f\u00fcr sich auft\u00fcrmende Zahlungsschwierigkeiten.<\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft mit unterschiedlicher Intensit\u00e4t: Tourismus und Mobilit\u00e4tssektor hat das Virus aus der Bahn geworfen, w\u00e4hrend digital begr\u00fcndete Gesch\u00e4ftsmodelle bislang deutlich besser durch die Krise kommen. Das ganze Ausma\u00df des Ver\u00e4nderungsdrucks, den die weltweite Pandemie auf deutsche Unternehmen aus\u00fcbt, zeigt sich aber erst ansatzweise. Der Grund ist banal: Die Pflicht zur unmittelbaren Insolvenzanmeldung ist bis vorerst 30. September aufgehoben, wenn Unternehmen nachweisen k\u00f6nnen, dass sie Corona-bedingt in Schieflage geraten sind. Das Bundesjustizministerium plant eine Verl\u00e4ngerung dieser Regelung bis M\u00e4rz 2021.<\/p>\n<p><strong>Anmerkung: <\/strong>Der Autor war w\u00e4hrend des Insolvenzverfahrens der airberlin Marketing- und Kommunikationschef des Unternehmens. Er verantwortete die gesamte interne und externe Kommunikation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"page-content\">\n<p><strong>Nicht vergessen zu abonnieren: <a href=\"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/newsletter\/expect-the-unexpected\/\">Expect the Unexpected &#8211; Der Newsletter der Bernstein Group <\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel hat Ihnen gefallen?<br \/>\nDann geben Sie uns gerne ein Feedback und liken oder teilen ihn via <a tabindex=\"-1\" title=\"https:\/\/twitter.com\/bernstein_group\" href=\"https:\/\/twitter.com\/bernstein_group\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Twitter <\/a>und <a tabindex=\"-1\" title=\"https:\/\/de.linkedin.com\/company\/bernstein-group\" href=\"https:\/\/de.linkedin.com\/company\/bernstein-group\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">LinkedIn<\/a>.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sorry, this entry is only available in DE.Das Ende ist nie sch\u00f6n. 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