{"id":4240,"date":"2023-03-22T11:13:57","date_gmt":"2023-03-22T10:13:57","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=4240"},"modified":"2023-03-22T12:00:20","modified_gmt":"2023-03-22T11:00:20","slug":"transatlantischen-zusammenarbeit-fuer-eine-nachhaltigere-landwirtschaft-und-laendliche-regionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/2023\/03\/22\/transatlantischen-zusammenarbeit-fuer-eine-nachhaltigere-landwirtschaft-und-laendliche-regionen\/","title":{"rendered":"Transatlantische Zusammenarbeit f\u00fcr eine nachhaltigere Landwirtschaft und l\u00e4ndliche Regionen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-large wp-image-4241\" src=\"https:\/\/bernstein-group.com\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/sharepic-final-blogbeitrag-us-german-future-forum-agriculture-1024x536.png\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"356\" \/><\/p>\n<p><em>Steigendes Bev\u00f6lkerungswachstum, ein wachsender Nahrungsmittelbedarf, abnehmende Biodiversit\u00e4t, der fortschreitende Klimawandel und gestiegene Verbrauchererwartungen \u2013 sowohl in Deutschland als auch den USA steht der Agrarsektor vor immensen \u2013 und teils sehr \u00e4hnlichen \u2013 Herausforderungen. Um die wachsende Weltbev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren, muss die Produktion gesteigert werden. Dies muss jedoch nachhaltig geschehen. Ansonsten l\u00e4uft der Agrarsektor Gefahr, den Klimawandel und den Verlust an Biodiversit\u00e4t weiter voranzutreiben. Um innovative L\u00f6sungen zu finden und ihre Umsetzung zu f\u00f6rdern, hat das Aspen Institute Deutschland daher zusammen mit der University of Illinois Urbana-Champaign ein neues Projekt ins Leben gerufen: das U.S.-German Forum Future Agriculture.<\/em><\/p>\n<p>Gemessen am Bruttoinlandsprodukt und der Gesamtbesch\u00e4ftigung spielt der Agrarsektor weder in den USA noch in Deutschland eine bedeutende Rolle f\u00fcr die Wirtschaft beider L\u00e4nder. Eine solche enge Betrachtung untersch\u00e4tzt jedoch den immensen Beitrag, den die Landwirtschaft zur Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt leistet.<\/p>\n<p>In l\u00e4ndlichen Gebieten ist die Landwirtschaft ein wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen und sozialen Lebens. Sie tr\u00e4gt zur Besch\u00e4ftigung, zum Wachstum und zur Lebensqualit\u00e4t bei und entscheidet damit auch \u00fcber die Zukunftsf\u00e4higkeit l\u00e4ndlicher R\u00e4ume, denn gerade dort sind die Auswirkungen des Strukturwandels besonders stark zu sp\u00fcren. Viele l\u00e4ndliche Gebiete haben mit dem Wegfall von Arbeitspl\u00e4tzen, Abwanderungen und Einschr\u00e4nkungen der \u00f6ffentlichen Infrastruktur (Mobilit\u00e4t, Gesundheitsversorgung, Bildung, Breitband etc.) zu k\u00e4mpfen. Wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten und das Gef\u00fchl, abgeh\u00e4ngt zu sein, k\u00f6nnen leicht zum N\u00e4hrboden f\u00fcr Populismus und rechte Tendenzen werden. Und oft werden bestehende Entwicklungschancen nur unzureichend ausgesch\u00f6pft.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Umwelt und das Klima spielt die Landwirtschaft eine erhebliche Rolle. Durch den Einsatz nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken kann sie wesentlich dazu beitragen, die nat\u00fcrlichen Ressourcen zu sch\u00fctzen, die Artenvielfalt zu erhalten und den Klimawandel abzumildern. Gelingt dies nicht, kann sie jedoch auch den Verlust an Biodiversit\u00e4t und den Klimawandel weiter vorantreiben. Die Landwirtschaft muss sich dabei an die Folgen des Klimawandels wie Temperaturanstieg, D\u00fcrre und Naturkatastrophen anpassen, die bereits jetzt in Deutschland und den USA sp\u00fcrbar sind und den Agrarsektor hart treffen. Das Risiko von Ertragsverlusten steigt durch ausbleibenden Niederschlag oder Extremwetter wie St\u00fcrme, Starkregen, Hagel und \u00dcberschwemmungen. Der Klimawandel wirkt sich auch auf die B\u00f6den aus. So sind beispielsweise die Wasserreserven in landwirtschaftlich genutzten B\u00f6den w\u00e4hrend der Vegetationsperiode deutlich zur\u00fcckgegangen. Ernten werden zudem durch invasive Arten und neue Pflanzenkrankheiten bedroht. Die COVID-19-Pandemie, die resultierenden Unterbrechungen der Lieferketten, globale Handelskonflikte, sinkende Erzeugerpreise, steigende Investitionskosten, Preisschwankungen sowie der Mangel an Arbeitskr\u00e4ften haben den Druck auf Landwirt*innen weiter erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Eine nachhaltige Landwirtschaft ist ein Schl\u00fcsselfaktor f\u00fcr die Sicherung der Zukunftsf\u00e4higkeit l\u00e4ndlicher R\u00e4ume und die Unterst\u00fctzung einer gesunden Umwelt. Daf\u00fcr m\u00fcssen innovative L\u00f6sungen gefunden werden.<\/p>\n<p><strong>Landwirtschaft in den transatlantischen Beziehungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Landwirtschaft ist seit langem ein zentrales Thema f\u00fcr die transatlantische Partnerschaft. Als wichtige Erzeuger von landwirtschaftlichen Produkten haben die Vereinigten Staaten und Deutschland sowohl die Verantwortung als auch die Ressourcen, den Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft f\u00fcr die Landwirtschaft und l\u00e4ndlichen Regionen zu ebnen. Unterschiedliche Auffassungen dar\u00fcber, wie die gemeinsamen Ziele erreicht werden k\u00f6nnen, haben jedoch oft eher zu Konflikten als zu einer Zusammenarbeit gef\u00fchrt. W\u00e4hrend die USA oftmals Innovation und technologische L\u00f6sungen pr\u00e4ferieren, um nachhaltiges Produktivit\u00e4tswachstum zu erzielen, setzt die EU h\u00e4ufiger auf die F\u00f6rderung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken durch seine Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und verbindliche Regulierungen wie beispielsweise Reduktionsziele f\u00fcr Emissionen in seiner neuen \u201eFarm to Fork\u201c-Strategie.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten streiten die transatlantischen Partner immer wieder \u00fcber Subventionen, Z\u00f6lle sowie gesundheitspolizeiliche und pflanzenschutzrechtliche Fragen (unter anderem genver\u00e4nderte Nahrungsmittel, Hormonfleisch, mit Chlorwasser desinfiziertes Gefl\u00fcgelfleisch und j\u00fcngst der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln). Auch in den Verhandlungen zur Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) spielten Bedenken in Hinblick auf Landwirtschaft, Ern\u00e4hrung und Umwelt eine zentrale Rolle. Die US-Amerikaner*innen sehen die Marktzugangsbeschr\u00e4nkungen der EU und viele der hohen Gesundheits- und Umweltstandards als versteckten Protektionismus. Die Europ\u00e4er*innen, und insbesondere Deutschland, kritisieren die Produktionsmethoden der USA und bef\u00fcrchten, dass ein gr\u00f6\u00dferer Wettbewerb mit den USA zu einer Verschlechterung der Lebensmittel-, Gesundheits- und Umweltstandards f\u00fchren k\u00f6nnte. Diese Konflikte sind bis heute nicht abgeklungen. In einem Interview vom September 2021 sagte US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack: \u201eEs ist ziemlich klar, dass es zwei verschiedene Wege gibt, und ich denke, die Vereinigten Staaten und viele andere L\u00e4nder werden den einen Weg einschlagen [und] die EU wird einen anderen Weg gehen\u201c.<\/p>\n<p>Trotz dieser Herausforderungen gibt es vielversprechende Fortschritte in Richtung einer st\u00e4rkeren Koordinierung zwischen den transatlantischen Partnern. Im November 2021 k\u00fcndigten EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski und US-Agrarminister Vilsack die \u201eEU-US Collaboration Platform on Agriculture\u201c an. Diese Dialogplattform zielt darauf ab, den Wissensaustausch und das gegenseitige Verst\u00e4ndnis zu f\u00f6rdern und die Zusammenarbeit zu verbessern. In ihrem Rahmen hat eine Reihe von Veranstaltungen stattgefunden, die sich vor allem auf die Themen Nachhaltigkeit, Klima und den Austausch in der Agrar- und Ern\u00e4hrungsindustrie konzentrierten. Dies ist ein ermutigendes Beispiel f\u00fcr eine intensivierte k\u00fcnftige Zusammenarbeit.<\/p>\n<p><strong>Das U.S.-German Forum Future Agriculture des Aspen Institute Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>Im Oktober 2022 rief das Aspen Institute Deutschland gemeinsam mit der University of Illinois Urbana-Champaign das U.S.-German Forum Future Agriculture ins Leben. Das Projekt zielt darauf ab, das gegenseitige Verst\u00e4ndnis f\u00fcr unterschiedliche landwirtschaftliche Praktiken und Standards zu f\u00f6rdern, die transatlantische Zusammenarbeit voranzutreiben und bestehende Stereotypen abzubauen. \u00dcber einen Zeitraum von zwei Jahren wird dieses Projekt deutsche und US-amerikanische Landwirt*innen sowie andere wichtige landwirtschaftliche Akteure aus Forschung und Wirtschaft zusammenbringen. Durch den Erfahrungsaustausch, die M\u00f6glichkeit, Best Practices vor Ort zu besichtigen, und den Aufbau neuer transatlantischer Netzwerke wird dieses Projekt eine Diskussion \u00fcber die Zukunft der Landwirtschaft und einen Ideenaustausch \u00fcber gemeinsame Herausforderungen und innovative L\u00f6sungen erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Das Projekt setzt in jedem Programmjahr einen anderen regionalen und thematischen Schwerpunkt. Der erste Jahrgang, der im Februar 2023 seine Arbeit aufgenommen hat, wird sich vor allem auf das Thema Klimawandel und Ackerbaubereich in der \u201eCorn Belt\u201c-Region im Mittleren Westens der USA und in Ostdeutschland konzentrieren. Im Jahr 2024 wird sich das Projekt auf das Kernthema Digitalisierung in der Viehwirtschaft sowie den Nordwesten Deutschlands und den Nordosten der USA konzentrieren. Beide Jahrg\u00e4nge werden sich zudem mit der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Dimension der Landwirtschaft und der l\u00e4ndlichen Regionen befassen. Die Entwicklung von Empfehlungen f\u00fcr Entscheidungstr\u00e4ger*innen in Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft wird sicherstellen, dass die gewonnenen Erkenntnisse \u00fcber die Kerngruppe hinaus verbreitet werden.<\/p>\n<p>Nachhaltige Landwirtschaft kann einen wichtigen Beitrag zu den Bem\u00fchungen leisten, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, die Biodiversit\u00e4t zu f\u00f6rdern und nat\u00fcrliche Ressourcen zu sch\u00fctzen. Gleichzeitig spielt sie eine entscheidende Rolle, um Ern\u00e4hrungssicherheit zu gew\u00e4hrleisten und den sozialen Zusammenhalt zu st\u00e4rken, indem sie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in l\u00e4ndlichen Regionen f\u00f6rdert. Gest\u00e4rkte transatlantische Beziehungen im Bereich der Landwirtschaft sind entscheidend, um Landwirt*innen und andere landwirtschaftliche \u201eStakeholder\u201c zu unterst\u00fctzen, die vielf\u00e4ltigen Herausforderungen zu meistern und die Chancen einer nachhaltigen Landwirtschaft zu nutzen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steigendes Bev\u00f6lkerungswachstum, ein wachsender Nahrungsmittelbedarf, abnehmende Biodiversit\u00e4t, der fortschreitende Klimawandel und gestiegene Verbrauchererwartungen \u2013 sowohl in Deutschland als auch den USA steht der Agrarsektor vor immensen \u2013 und teils sehr \u00e4hnlichen \u2013 Herausforderungen. 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