{"id":3108,"date":"2021-04-15T10:44:35","date_gmt":"2021-04-15T08:44:35","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=3108"},"modified":"2022-03-10T15:17:23","modified_gmt":"2022-03-10T14:17:23","slug":"esports-wenn-die-erwaehnung-im-koalitionsvertrag-nicht-ausreicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/2021\/04\/15\/esports-wenn-die-erwaehnung-im-koalitionsvertrag-nicht-ausreicht\/","title":{"rendered":"eSports \u2013 wenn die Erw\u00e4hnung im Koalitionsvertrag nicht ausreicht"},"content":{"rendered":"<p>Die Debatte um die Anerkennung von eSports als Sportart l\u00e4uft bereits seit einigen Jahren. In anderen L\u00e4ndern ist die Frage \u201eSind sie denn nun Sport?\u201c bereits positiv beantwortet, mit den entsprechenden Auswirkungen \u2013 so hat die Anerkennung in Frankreich zu einer deutlichen Professionalisierung der Teams gef\u00fchrt und die Zusammenarbeit mit Sponsoren auf eine rechtlich eindeutigere Basis gestellt. In Deutschland schien es ebenfalls so, als sei die Debatte entschieden: Im Koalitionsvertrag von CDU\/CSU und SPD wurde 2018 in Aussicht gestellt, \u201eE-Sport k\u00fcnftig vollst\u00e4ndig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht an[zu]erkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive [zu] unterst\u00fctzen\u201c.<\/p>\n<p>Knapp ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl und zwei Monate vor der letzten (regul\u00e4ren) Sitzungswoche der Legislaturperiode ist klar: Dieses urspr\u00fcngliche gesetzte Ziel wird nicht erreicht. Woran liegt das? Und welche Erfahrungen lassen sich auf kommende politische Vorhaben \u2013 und den Weg zu ihrer Umsetzung \u2013 \u00fcbertragen?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst lohnt der Blick auf den Platz der eSports im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien. Thematisiert wurde die Anerkennung von eSports in der Sektion \u201eDigitales\u201c \u2013 als letzter Aspekt im Abschnitt \u201eBesseres Leben durch Fortschritt\u201c, direkt nach der angestrebten Ausweitung des Bundesfreiwilligendienstes um \u201eeine neue Variante analog zum Freiwilligen Sozialen Jahr Digital\u201c. Nicht angesprochen werden eSports hingegen im Abschnitt des Koalitionsvertrags, welcher sich mit Sport befasst. Die dort behandelten Themen (u.a. die F\u00f6rderung des Leistungssportes oder die Bek\u00e4mpfung von Doping) lassen sich zwar weitestgehend auf eSports \u00fcbertragen. Explizit erw\u00e4hnt wurden sie dabei jedoch nicht, geschweige denn ihre Besonderheiten.<\/p>\n<p>Diese Besonderheiten sind teilweise eine Herausforderung f\u00fcr das politische Verfahren. Das f\u00e4ngt bereits damit an, dass es nicht \u201eden E-Sport\u201c gibt, sondern sich die professionell gespielten Videospieltitel stark unterscheiden. Diese Unterschiede sind st\u00e4rker als bei jedem traditionellen Sport: Hallenfu\u00dfball teilt mit dem \u201eregul\u00e4ren\u201c Fu\u00dfball das Grundprinzip \u2013 League of Legends, Counter Strike: Global Offensive und FIFA 21 verbindet nichts, au\u00dfer, dass sie (auch) am Computer gespielt werden.<\/p>\n<p>Die (nachvollziehbare) Reaktion ist die Suche nach Ankn\u00fcpfungspunkten mit dem Bestehenden. Im Falle von eSports hat das zur Unterscheidung zwischen \u201eeSport\u201c und \u201eeGaming\u201c gef\u00fchrt, welche u.a. vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vorgenommen wird und zwischen Sportsimulationen (FIFA, NBA 2K, etc.) und allen weiteren kompetitiv gespielten Titeln unterscheidet.<\/p>\n<p>Diese Unterscheidung ist komplett branchenfremd, und doch ist sie aus der Logik des \u201eAbgleichs mit dem Etablierten\u201c nachvollziehbar. Dass beispielsweise Spielmanipulationen im Rahmen von eSports-Events ein (leider) \u00fcbertragbares Problem sind \u2013 wie die j\u00fcngst aufgenommenen Ermittlungen des FBI zu organisiertem Betrug \u00fcber Sportwetten auf Counter Strike Partien zeigen \u2013 tritt dabei in den Hintergrund. Dabei demonstriert dieser Fall, dass ein verl\u00e4sslicher Rahmen f\u00fcr eSports n\u00f6tiger denn je ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr Videospiel-Publisher, eSports-Teams und professionelle eSport-Ligen ergeben sich aus diesen Erfahrungen drei zentrale Schlussfolgerungen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die politische \u201eAufh\u00e4ngung\u201c des Themas muss gepr\u00e4gt werden. <\/strong>Idealerweise besch\u00e4ftigen sich im Rahmen der Koalitionsverhandlungen diejenigen Akteure mit dem Thema, welche sp\u00e4ter auch die Umsetzung in Bundesregierung und Bundestag verantworten. Im Fall von eSports bedeutet dies die Einbeziehung der Sportpolitikerinnen und Sportpolitiker \u2013 welche traditionellerweise eher im Politikfeld \u201eInneres\u201c als bei \u201eDigitales\u201c aktiv sind.<\/li>\n<li><strong>Regulierungsvorschl\u00e4ge m\u00fcssen an die Logik der entscheidenden Akteure ankn\u00fcpfen.<\/strong> Es gibt genug Themen, welche auch f\u00fcr \u201eGaming-ferne\u201c politische Entscheidungstr\u00e4gerinnen und Entscheidungstr\u00e4ger anschlussf\u00e4hig sind. Nicht zuletzt die St\u00e4rkung der Vereinsstrukturen sowie die Bek\u00e4mpfung von krimineller Manipulation der Wettk\u00e4mpfe sind Felder, in welchen gemeinsame Ziele verfolgt werden.<\/li>\n<li><strong>Nach dem Koalitionsvertrag ist vor der Umsetzung. <\/strong>Ein Koalitionsvertrag ist eine wichtige Basis f\u00fcr das Handeln der kommenden Regierung. Wer mit seinem Anliegen den \u201eSprung in den Vertrag\u201c schafft, bereitet den Boden f\u00fcr eine erfolgreiche Umsetzung. Gerade eSports zeigen jedoch: Der regulatorische Prozess ist damit alles andere als abgeschlossen, und auch die Debatte kann sich noch in bis dahin unvorhergesehene Richtungen entwickeln. Auch Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer ben\u00f6tigen hier zufriedenstellende Antworten f\u00fcr neue kritische Nachfragen. Diese Antworten m\u00fcssen von den Betroffenen der Regulierung geliefert und der Austausch aufrecht erhalten werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Debatte um die Anerkennung von eSports als Sportart l\u00e4uft bereits seit einigen Jahren. 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