{"id":2390,"date":"2020-06-11T10:53:01","date_gmt":"2020-06-11T08:53:01","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=2390"},"modified":"2020-09-28T12:44:05","modified_gmt":"2020-09-28T10:44:05","slug":"eine-nachhaltige-rettung-oeffentlicher-verkehrssysteme-beschleunigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/2020\/06\/11\/eine-nachhaltige-rettung-oeffentlicher-verkehrssysteme-beschleunigen\/","title":{"rendered":"Eine nachhaltige Rettung \u00f6ffentlicher Verkehrssysteme beschleunigen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gemeinsam mit dem Hamburger Tech-Unternehmen <a href=\"https:\/\/www.wundermobility.com\/\">Wunder Mobility <\/a>ver\u00f6ffentlichen wir einen monatlichen Mobility-Policy-Newsletter. Im Fokus stehen alle Fragen rund ums Thema Mobility, Regulierung und Technologie. Auf unserem Blog ver\u00f6ffentlichen wir nun den zehnten Artikel aus dem Newsletter:<\/strong><\/p>\n<p><b>W\u00e4hrend die allgemeinen Auslastungsquote bei den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln in ganz Europa um 90% gesunken ist, konzentrieren sich St\u00e4dte und Regierungen nun darauf, die Erholung der Industrie durch Konjunkturpakete zu beschleunigen.\u00a0\u00a0<\/b><\/p>\n<p>In den Monaten M\u00e4rz und April ist die Zahl der Fahrg\u00e4ste im \u00d6PNV in vielen St\u00e4dten und Gemeinden, nach Angaben des Deutsche St\u00e4dte- und Gemeindebundes (DStGB), um bis zu 90 Prozent gesunken. Auch nach den allgemeinen Lockerungen nutzten nur 20 bis 40 Prozent der allt\u00e4glichen Pendler den Bus oder die Bahn, welche ihren Betrieb trotz allem zu fast 100 Prozent aufrechterhalten haben. Durch die erh\u00f6hte Frequentierung des Linienverkehrs konnte somit sichergestellt werden, dass den Pendlern gen\u00fcgend Platz zur Verf\u00fcgung steht, um mehr als den empfohlenen Sicherheitsabstand einzuhalten. Dieses Angebot ist eine wichtige Grundlage f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten an vorderster Front, welche weiterhin zu ihren Arbeitspl\u00e4tzen in Krankenh\u00e4usern, Betriebsst\u00e4tten sowie anderen wichtigen Dienststellen anreisen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Doch dieses Ungleichgewicht der Aufrechterhaltung des Vollbetriebs bei einem Bruchteil der Einnahmen hat die \u00d6PNV-Branche schwer getroffen. Die derzeit erwarteten Verluste liegen bis Ende des Jahres in Deutschland in H\u00f6he von 5 bis 7 Milliarden Euro. Diese Zahlen basieren auf einer Sch\u00e4tzung, die eine zweite Welle des Virus nicht ber\u00fccksichtigt. W\u00e4hrend Monats- und Jahreskarten unver\u00e4ndert bleiben, ist der Verkauf von Einzelfahrkarten um fast 100 Prozent zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>Es scheint eher unwahrscheinlich, dass der \u00d6PNV in absehbarer Zeit seine volle Kapazit\u00e4t erreichen wird, um diesen Einnahmeausfall zu begleichen. 33 Prozent der Nutzer des \u00f6ffentlichen Verkehrs, haben sich dazu entschieden, auf das Fahrrad oder das Auto umzusteigen. Neben der Aufrechterhaltung des Grundbetriebs, sind erh\u00f6hte Fl\u00e4chendesinfektionen als Routinen unerl\u00e4sslich, um die Sicherheit der Pendler zu gew\u00e4hrleisten. Es bleibt unumstritten, dass ein funktionierender und leistungsf\u00e4higer \u00f6ffentlicher Personennahverkehr unverzichtbar ist. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Klimaschutzziele der Bundesregierung und die Notwendigkeit, barrierefreie Lebensbedingungen in den St\u00e4dten zu gew\u00e4hrleisten. Doch die Verlagerung des Reiseverhaltens zur\u00fcck auf den privaten Pkw, wird die anhaltende Krise die Transformation der Mobilit\u00e4tsbranche erheblich negativ beeinflussen.<\/p>\n<p>Die Bem\u00fchungen der letzten Jahre, den \u00f6ffentlichen Verkehr attraktiver zu gestalten, wie z.B. durch die Senkung der Fahrkartenpreise, wurden sehr positiv aufgenommen. Jetzt scheinen sich h\u00f6here Preise mehr denn je abzuzeichnen, auch wenn noch niemand dar\u00fcber spricht. W\u00e4hrend bei anderen Transportindustrien bereits Rettungspakete in Umsetzung sind, wartet der \u00d6PNV nun schon seit Wochen auf die dringend notwendige Entscheidung von Bund und L\u00e4ndern. Der Zugang zu \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln ist f\u00fcr das Gemeinwohl einer Gesellschaft essentiell und wird seine Funktion ohne den Fortbestand von Nahverkehrsunternehmen in st\u00e4dtischen und l\u00e4ndlichen Gebieten nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Verkehrsministerkonferenz (VMK) schloss sich in einer einstimmigen Meinung zusammen: Die \u00d6PNV-Unternehmen brauchen Unterst\u00fctzung, um weiterhin das R\u00fcckgrat der Mobilit\u00e4t in den St\u00e4dten zu bilden.<\/p>\n<p>Es wurde zus\u00e4tzlich betont, dass die Mittel, die k\u00fcrzlich im Rahmen des Klimaprogramms der Bundesregierung aufgestockt wurden, bereits anderweitig zugesagt wurden und nicht f\u00fcr ein Rettungspaket f\u00fcr den \u00d6PNV verwendet werden k\u00f6nnen. Stattdessen sind zus\u00e4tzliche Ausgleichszahlungen zur Reduzierung dieser Haushaltsdefizite erforderlich. Konkret fordern die L\u00e4nder den Bund auf bis zu 2,5 Milliarden Euro f\u00fcr ein wirksames Rettungspaket f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Verkehr bereitzustellen.<\/p>\n<p>In dem am 28. Mai 2020 ver\u00f6ffentlichten Vorschlag sollen sowohl \u00f6ffentliche als auch private Nahverkehrsunternehmen f\u00fcr ihre Corona-bedingten Einnahmeausf\u00e4lle gegen\u00fcber den Vorjahreszahlen entsch\u00e4digt werden. Bei der Betrachtung dieser viel zu geringen Ausgleichszahlung, werfen weitere Frage in der Branche auf. Birgt die Finanzierung eines verlustreichen \u00f6ffentlichen Verkehrssystem, mit noch weniger Fahrg\u00e4sten die richtige Zukunftsinvestition? Der Koalitionsausschuss traf sich am 3. Juni zur Diskussion einer m\u00f6glichen Bek\u00e4mpfung der Auswirkungen des COVID-19 Virus, um den Wohlstand sowie die St\u00e4rkung der Zukunftsf\u00e4higkeit zu sichern. Dennoch fehlte ein wichtiger Punkt in der Tagesordnung: Wie viel der geplanten Investitionen sollten darauf ausgerichtet werden, den \u00f6ffentliche Systeme durch technologiegest\u00fctzte Hilfen attraktiver, effizienter und nachhaltiger zu gestalten? Anstatt defizit\u00e4re System zu finanzieren muss eine ganzheitliche Sichtweise verfolgt werden. Es sollten weitere Mobilit\u00e4tsl\u00f6sungen eingeschlossen werden, um neue innovative Konzepte f\u00fcr eine erfolgreiche \u00f6ffentliche Verkehrslandschaft zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Betrachtet man andere europ\u00e4ische L\u00e4nder, so k\u00e4mpfen alle Regierungen mit der richtigen Umsetzung der geplanten finanzielle Unterst\u00fctzung. W\u00e4hrend die EU an der Vorbereitung eines massiven Rettungsschirms arbeitet, hat die Kommission betont, dass die Nachhaltigkeit ein wichtiger Eckpfeiler dieser Unterst\u00fctzung bleiben muss. Im Mittelpunkt des besagten Konjunkturpakets, welches 750 Milliarden Euro umfasst und einen \u00fcberarbeiteten Vorschlag f\u00fcr den langfristigen EU-Haushalt bis 2027 vorsieht, steht der &#8222;Green Deal&#8220; mitunter zur Unterst\u00fctzung der Nachhaltigkeit im Vordergrund. Nach Angaben der S\u00fcddeutschen Zeitung sollen bis zu 100 Milliarden Euro f\u00fcr den Transport- und Verkehrssektor zur Verf\u00fcgung gestellt werden.<\/p>\n<p>Der Weltverband des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs, UITP, begr\u00fc\u00dft diese Entscheidung der EU. Thomas Avanzata, Senior Director der UITP Europa, sagte: &#8222;Das EU-Konjunkturpaket ist ein positives Signal und ein Schritt in die richtige Richtung. Obwohl es T\u00fcren \u00f6ffnet, um eine Erholung des Sektors zu erm\u00f6glichen, muss es noch klarer und ehrgeiziger sein, wenn es um den \u00f6ffentlichen Verkehr geht. Das Konjunkturpaket muss spezifischer sein, was die Art der Unterst\u00fctzung betrifft, die der Nahverkehr und der \u00f6ffentliche Verkehr erwarten k\u00f6nnen, damit unsere St\u00e4dte nach der Pandemie wieder prosperieren k\u00f6nnen&#8220;.<\/p>\n<p>Da sich das Mobilit\u00e4tsverhalten auch nach COVID-19 weiter ver\u00e4ndern wird, bleibt eine gezielte Anpassung der \u00d6PNV-Regularien an vielen Stellen eine unbeantwortbare Fragestellung. Und w\u00e4hrend das R\u00fcckgrat der Mobilit\u00e4t in jeder Stadt von \u00f6ffentlichem Interesse bleiben muss, sind die Beh\u00f6rden verpflichtet sowohl zug\u00e4ngliche, attraktive als auch nachhaltige Alternativen anzubieten. Der Ausbau der Infrastruktur des \u00f6ffentlichen Verkehrs kann mit der aktuellen Wachstumsgeschwindigkeit der St\u00e4dte nicht Schritt halten. Dabei erfordert eine einzige neue Buslinie mit angepassten Fahrpl\u00e4nen so hohe finanzielle Mittel, dass sie in keiner Relation zur bestehenden Nachfrage zu stehen scheint. W\u00e4hrenddessen k\u00f6nnen neue Mobilit\u00e4tsanbieter ihre Flotten problemlos an die sich kontinuierlich ver\u00e4ndernden Bed\u00fcrfnisse anpassen und nachweislich Kostenersparnisse f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand bringen. Ausgehend von diesen Erkenntnissen m\u00fcssen die Beh\u00f6rden dringend dar\u00fcber nachdenken, wie die Aussch\u00fcttung von Subventionen f\u00fcr Gesch\u00e4ftsmodelle multimodaler Mobilit\u00e4t dazu beitragen kann, gemeinsame Interessen und Ziele zu erreichen.<\/p>\n<p>Die Probleml\u00f6sungen nach der Wiederer\u00f6ffnung unserer St\u00e4dte, liegen nicht in der finanziellen Unterst\u00fctzung der traditionellen Verkehrssysteme aus der Vergangenheit. Wenn die vorgeschlagenen Investitionen eine langfristige Wirkung erzielen sollen, muss eine Diskussion bez\u00fcglich der Umwidmung der Rettungsschirme nationaler Regierungen und der EU-Konjunkturpakete gef\u00fchrt werden. Dies ist der richtige Zeitpunkt, um die Zusammenarbeit von \u00f6ffentlich-privaten Partnerschaften zu f\u00f6rdern, um in Zukunft eine zug\u00e4ngliche und nachhaltige Mobilit\u00e4t in den St\u00e4dten und dar\u00fcber hinaus im \u00f6ffentlichen Verkehr zu etablieren.<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel hat Ihnen gefallen? <\/strong><strong><span id=\"ember10723\" class=\"ember-view\">Hier geht es zur Anmeldung f\u00fcr den Newsletter:\u00a0<\/span><a id=\"ember10727\" class=\"feed-shared-text-view__hyperlink ember-view\" tabindex=\"0\" href=\"https:\/\/www.wundermobility.com\/policybrief\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.wundermobility.com\/policybrief<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Geben Sie uns gerne auch ein Feedback und liken oder teilen ihn via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bernstein_group\">Twitter <\/a>und <a href=\"https:\/\/de.linkedin.com\/company\/bernstein-group\">LinkedIn<\/a>.<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsam mit dem Hamburger Tech-Unternehmen Wunder Mobility ver\u00f6ffentlichen wir einen monatlichen Mobility-Policy-Newsletter. 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