{"id":2304,"date":"2020-04-21T12:59:48","date_gmt":"2020-04-21T10:59:48","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=2304"},"modified":"2020-09-28T12:49:21","modified_gmt":"2020-09-28T10:49:21","slug":"wie-die-corona-krise-eine-veraenderung-im-verkehrskonzept-der-staedte-notwendig-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/2020\/04\/21\/wie-die-corona-krise-eine-veraenderung-im-verkehrskonzept-der-staedte-notwendig-macht\/","title":{"rendered":"Wie die Corona-Krise eine Ver\u00e4nderung im Verkehrskonzept der St\u00e4dte notwendig macht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gemeinsam mit dem Hamburger Tech-Unternehmen <a href=\"https:\/\/www.wundermobility.com\/\">Wunder Mobility <\/a>ver\u00f6ffentlichen wir einen monatlichen Mobility-Policy-Newsletter. Im Fokus stehen alle Fragen rund ums Thema Mobility, Regulierung und Technologie. Auf unserem Blog ver\u00f6ffentlichen wir nun den sechsten Artikel aus dem Newsletter:<\/strong><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">W\u00e4hrend vor der Verbreitung des Corona-Virus alle Mobilit\u00e4ts-Ans\u00e4tze dazu dienen sollten, private Autos stehen zu lassen und stattdessen die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, ist\u00a0<\/span><span data-contrast=\"auto\">der Ton im Moment ein anderer: Es wird dazu geraten, \u00f6ffentliche Verkehrsmittel so weit wie m\u00f6glich zu meiden und der Fokus liegt wieder auf individuellen Fortbewegungsmitteln \u2013 vor allem das Auto und das Fahrrad werden zumeist genannt.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">W\u00e4hrend die Pandemie zu einer Vielzahl neuer Regeln f\u00fchrte, wurden im Mobilit\u00e4tsbereich der Kommunen die meisten Regeln gelockert: So werden in beinahe allen Kommunen die Ticket-Kontrollen des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs ausgesetzt und der Kauf eines Tickets zum Beispiel beim Busfahrer ist aufgrund von Absperrungen nicht m\u00f6glich. Manche St\u00e4dte, wie beispielsweise Lissabon oder vereinzelte Gemeinden in \u00d6sterreich, gehen noch weiter und lassen die Parkraumbewirtschaftung f\u00fcr den Zeitraum der Corona-Krise ruhen \u2013 Ma\u00dfnahmen als Reaktionen auf die Verbreitung des Virus.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><span data-contrast=\"auto\">Finanzielle Einbu\u00dfen durch die Aufhebung von Regularien<\/span><\/b><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Diese Ver\u00e4nderungen wurden eingef\u00fchrt, um zum einen die Kontaktketten innerhalb der Bev\u00f6lkerung gering zu halten, um anderen aber auch, um auf Ausf\u00e4lle in den eigenen Reihen zu reagieren. Damit weiterhin genug Besch\u00e4ftigte den \u00f6ffentlichen Nahverkehr sicherstellen k\u00f6nnen, Busfahrer also beispielsweise weiterhin fahren, muss diesen der gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Schutz gew\u00e4hrleistet werden k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt auch, deren Kontakt zu Dritten so gering wie m\u00f6glich zu halten. Gleichzeitig f\u00fchrt die Pandemie \u00fcberall zu Ausf\u00e4llen der Mitarbeiter, sei es durch die Betreuung der Kinder, durch die Erkrankung selbst oder durch die Quarant\u00e4ne-Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Kontaktpersonen von Infizierten. Eine Einschr\u00e4nkung des \u00d6ffentlichen Personennahverkehrs (\u00d6PNV) auf eine reduzierte Fahrtenanzahl und das Aussetzen der Parkgeb\u00fchren oder der Ticketkontrolle f\u00fchrt f\u00fcr die Kommunen zu massiven finanziellen Einbu\u00dfen. Bereits jetzt kommt es bei den \u00d6PNV-Unternehmen zu Einnahmeverlusten zwischen 60-90%, da diese sich im regul\u00e4ren Betrieb zu 50% durch die Ticketbezahlung finanzieren und gleichzeitig steigende Kosten f\u00fcr die Einhaltung der Hygieneregeln auszugleichen haben. Sowohl direkt als auch indirekt \u00fcber die Betreiber der Nahverkehrsangebote f\u00fchren die Lockerungen der Regeln in der st\u00e4dtischen Mobilit\u00e4t zu Ausf\u00e4llen in den Kassen der St\u00e4dte. Eine Herausforderung, die auch nach der Corona-Krise bestehen bleiben wird.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Nicht nur weil die finanziellen Abstriche noch langfristig Auswirkungen haben werden, sondern auch durch das Nutzungsverhalten der Bev\u00f6lkerung werden die Einnahmen der St\u00e4dte zuk\u00fcnftig stark beeinflusst sein. Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger werden vermutlich auch nach der Krise weiterhin \u00f6ffentliche Verkehrsmittel \u2013 und damit sogenannte \u201eVirenschleudern\u201c \u2013 vermeiden und individuelle Mobilit\u00e4t priorisieren. Der Haushalt der Kommunen wird eingeschr\u00e4nkt bleiben und dementsprechend auch die Investitionen in die Modernisierung des \u00d6PNV beschr\u00e4nkt halten \u2013 und das obwohl wir insbesondere vor dieser Herausforderung, der Mobilit\u00e4tswende, noch lange stehen werden.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><span data-contrast=\"auto\">Herausforderungen der St\u00e4dte auch \u201enach Corona\u201c<\/span><\/b><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Was bedeutet das also f\u00fcr die Kommunen f\u00fcr eine Zeit \u201enach Corona\u201c? Welche L\u00f6sungsans\u00e4tze k\u00f6nnen trotz knapper Kassen verfolgt werden, die auf die Ver\u00e4nderungen in der Gesellschaft reagieren: die Ver\u00e4nderungen im Nutzungsverhalten, die durch Corona ausgel\u00f6st wurden, und gleichzeitig die Ver\u00e4nderungen, die im Zuge einer nachhaltigen Mobilit\u00e4t gefordert werden?<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Zum einen ist davon auszugehen, dass auch weiterhin viele Nutzer auf das eigene Auto zur\u00fcckgreifen werden, um sich den Kontakten im \u00f6ffentlichen Raum nur so wenig wie m\u00f6glich auszusetzen. Um dennoch hier die Parkraumbewirtschaftung einhalten zu k\u00f6nnen und daraus auch die finanziellen Mittel zu generieren, gleichzeitig aber das Personal zu sch\u00fctzen und unn\u00f6tige Kontakte zu vermeiden, ist es langfristig sinnvoll, auf Smart-<\/span><span data-contrast=\"auto\">Parking<\/span><span data-contrast=\"auto\">\u00a0Systeme zur\u00fcckzugreifen. Diese identifizieren mithilfe von Sensoren freie Parkpl\u00e4tze, welche dem Nutzer in einer App angezeigt werden. Der Nutzer wiederum kann den Parkplatz dann direkt ansteuern und die Parkgeb\u00fchren direkt \u00fcber dieselbe App bezahlen. <\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Eine in Deutschland viel genutzte M\u00f6glichkeit ist die \u201ePark and Joy\u201c-App der Deutschen Telekom, \u00fcber welche der Parkplatz online bezahlt werden kann und welche au\u00dferdem eine Direktnavigation zum freien Parkplatz anbietet \u2013 letzteres allerdings nur in Hamburg. Smart\u00a0<\/span><span data-contrast=\"auto\">Parking<\/span><span data-contrast=\"auto\">\u00a0ist somit eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Kommunen, Parkraumbewirtschaftung weiterhin durchzuf\u00fchren und gleichzeitig aus dem \u201e<\/span><span data-contrast=\"auto\">Home Office<\/span><span data-contrast=\"auto\">\u201c dessen Einhaltung sicherzustellen und zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dabei bleibt es jedoch wichtig, dass sich die Kommunen nicht von einzelnen Anbietern der entsprechenden L\u00f6sungen abh\u00e4ngig machen, sondern langfristig eigene L\u00f6sungen entwickeln, um ihre Unabh\u00e4ngigkeit sicherzustellen.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><span data-contrast=\"auto\">Zur\u00fcck zu Individualverkehr? \u2013 die Stunde der Fahrr\u00e4der und E-Scooter<\/span><\/b><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Andererseits wird es auch weiterhin die Aufgabe der Stadt bleiben, trotz abnehmender Investitionsm\u00f6glichkeiten, nachhaltige Mobilit\u00e4ts-Modelle voranzutreiben und deren Nutzung zu f\u00f6rdern: Ein Fokus sollte und wird vermutlich zuk\u00fcnftig auf individuellen Verkehrsmitteln liegen, die den zwischenmenschlichen Kontakt verringern und trotzdem nachhaltig einsetzbar sind \u2013 so zum Beispiel Fahrr\u00e4der und E-Scooter. Gerade in den Sommermonaten sind dies hilfreiche Fortbewegungsmittel, die die Nutzung des \u00d6PNV einerseits und des eigenen PKWs andererseits umgehen k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Durch die verst\u00e4rkte Vermarktung von E-Scootern oder Leihr\u00e4dern wird den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern ein Mittel an die Hand gegeben, das eigene Auto wieder stehen zu lassen und gleichzeitig weitestgehend \u00f6ffentliche Kontakte zu vermeiden. F\u00fcr die St\u00e4dte werden au\u00dferdem Einnahmen sichergestellt, sodass sie, sei es auch nur indirekt durch die Abgaben de Roller-Betreiber, auch finanziell von dieser L\u00f6sung profitieren.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><span data-contrast=\"auto\">Die Krise als Ausl\u00f6ser f\u00fcr langfristige Ver\u00e4nderungen<\/span><\/b><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Im Zuge der Krise ist es aber auch\u00a0<\/span><span data-contrast=\"auto\">essentiell<\/span><span data-contrast=\"auto\">, sich Gedanken \u00fcber mittel- und langfristige L\u00f6sungen zu machen, um einer solchen Situation demn\u00e4chst vorbeugen zu k\u00f6nnen. Wie kann eine Stadt also zuk\u00fcnftig das eigene Personal besser sch\u00fctzen, ohne dadurch Einn<\/span><span data-contrast=\"auto\">a<\/span><span data-contrast=\"auto\">hmeausf\u00e4lle hinnehmen zu m\u00fcssen?<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Eine M\u00f6glichkeit dahingehend wurde schon durch den Smart-<\/span><span data-contrast=\"auto\">Parking<\/span><span data-contrast=\"auto\">\u00a0Ansatz deutlich: Zuk\u00fcnftig wird eine Digitalisierung der Mobilit\u00e4tsangebote und -kontrollen nicht mehr nur ein angenehmes Add-on, sondern eine \u00f6konomische Notwendigkeit sein. Durch die Einf\u00fchrung von \u201emobile\u00a0<\/span><span data-contrast=\"auto\">payment<\/span><span data-contrast=\"auto\">\u201c und gegebenenfalls von digitalen Kontrollen am Eingang der Haltestationen, wie es in fast allen europ\u00e4ischen Metropolen wie Br\u00fcssel, Paris oder London schon der Fall ist, k\u00f6nnen Einnahmen aus dem \u00d6PNV sichergestellt werden, ohne dabei einen vermeidbaren Einsatz von Kontrolleuren hinnehmen zu m\u00fcssen.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Die Corona-Krise zeigt, wie anf\u00e4llig die Mobilit\u00e4tsbranche und insbesondere der \u00f6ffentliche Personennahverkehr der St\u00e4dte f\u00fcr ma\u00dfgebende \u00f6ffentliche Ver\u00e4nderungen ist. Die Weiterentwicklung innovativer Modelle im urbanen Verkehr wird dadurch zu einem notwendigen und realistischen Zukunftsszenario. Sie l\u00e4sst sich nicht mehr l\u00e4nger verdr\u00e4ngen, wenn die finanzielle und \u00f6konomische Situation der St\u00e4dte nicht mehr in diesem Ma\u00dfe beeinflussbar und abh\u00e4ngig von Krisensituationen sein soll. Wie in so vielen Bereichen, kann also auch in der st\u00e4dtischen Mobilit\u00e4t die Krise in gewissem Rahmen als\u00a0<\/span><span data-contrast=\"auto\">Chance gesehen werden, um eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Modernisierung und Digitalisierung der Verkehrsbranche umzusetzen.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel hat Ihnen gefallen? <\/strong><strong><span id=\"ember10723\" class=\"ember-view\">Hier geht es zur Anmeldung f\u00fcr den Newsletter:\u00a0<\/span><a id=\"ember10727\" class=\"feed-shared-text-view__hyperlink ember-view\" tabindex=\"0\" href=\"https:\/\/www.wundermobility.com\/policybrief\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.wundermobility.com\/policybrief<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Geben Sie uns gerne auch ein Feedback und liken oder teilen ihn via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bernstein_group\">Twitter <\/a>und <a href=\"https:\/\/de.linkedin.com\/company\/bernstein-group\">LinkedIn<\/a>.<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsam mit dem Hamburger Tech-Unternehmen Wunder Mobility ver\u00f6ffentlichen wir einen monatlichen Mobility-Policy-Newsletter. 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