{"id":2184,"date":"2020-04-06T10:16:04","date_gmt":"2020-04-06T08:16:04","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=2184"},"modified":"2020-06-19T16:29:25","modified_gmt":"2020-06-19T14:29:25","slug":"ihr-gutes-recht-auf-reputation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/2020\/04\/06\/ihr-gutes-recht-auf-reputation\/","title":{"rendered":"Ihr gutes Recht auf Reputation"},"content":{"rendered":"<p>Vor Gericht und auf Hoher See sei man in Gottes Hand, sagt ein Sprichwort.<\/p>\n<p>Doch gerade wenn ein Rechtsstreit den guten Ruf eines Unternehmens bedroht, ist die richtige Litigation-PR durch Kommunikationsexperten segensreicher als reines Vertrauen.<\/p>\n<p>Egal ob es sich um den Fall des fr\u00fcheren Karstadt-Managers Thomas Middelhoff, die Aufsichtsrat-Klage gegen Ex-Vorst\u00e4nde des Baukonzerns Bilfinger oder das juristische Ringen um die Macht beim deutschen Waffenhersteller Heckler &amp; Koch handelt &#8211; alle drei F\u00e4lle zeigen, dass juristische Auseinandersetzungen heute nicht mehr allein vor Gericht entschieden werden. \u00dcber den guten Ruf eines Unternehmens und seiner Manager entscheiden Medien und \u00d6ffentlichkeit. Sie sind dabei Ankl\u00e4ger und Richter in einem. Oftmals endet die Berichterstattung in der v\u00f6lligen Vernichtung der Reputation eines Betroffenen.<\/p>\n<p>Nicht umsonst entscheidet die kommunikative Beratung im Rahmen eines rechtlichen Disputes &#8211; Litigation-PR \u2013 h\u00e4ufig ganz unabh\u00e4ngig vom gerichtlichen Ausgang des Verfahrens \u00fcber den medialen Sieg oder die soziale Niederlage.<\/p>\n<p>In den Wirren gro\u00dfer Rechtsstreitigkeiten und Verfahren verfolgen die Berater meist zwei Ziele: Die professionelle Medienarbeit soll einerseits den Ausgang eines Rechtsstreites positiv beeinflussen, die Argumente der eigenen Juristen sollten den medialen Diskurs bestimmen. Kommunikationswissenschaftliche Studien haben n\u00e4mlich mehrfach nachgewiesen, dass Richter und Staatsanw\u00e4lte sich von der medialen Berichterstattung zu ihren F\u00e4llen beeinflussen lassen. \u00a0Andererseits wollen die entsprechend spezialisierten PR-Berater die Reputation ihres Mandanten auch \u00fcber das Verfahren hinaus sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Voraussetzung ist daf\u00fcr immer eine enge Abstimmung zwischen Kommunikationsberatern und den Anw\u00e4lten der Mandanten. Die Kernargumente der Juristen m\u00fcssen den medialen Diskurs dominieren \u2013 und damit den Ausgang bestenfalls entscheiden. Voraussetzung ist dabei die Umwandlung zentraler juristischer Argumente in mediale Botschaften und deren Platzierung, Hintergrundgespr\u00e4che mit Journalisten oder bestenfalls die Erzeugung einer Gegen\u00f6ffentlichkeit, die intensiv die M\u00f6glichkeiten sozialer Netzwerke nutzt.<\/p>\n<p>Prim\u00e4res Ziel im Strafverfahren ist die Entlastung der Mandanten von den Vorw\u00fcrfen der Ermittler. Gerade bei \u00f6ffentlichkeitswirksamen Strafverfahren und prominenten Mandaten sind Litigation-PR-Berater ein unverzichtbarer Bestandteil der Prozess-Strategie geworden.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es zwei Ursachen:<\/p>\n<ol>\n<li>Der eindimensionale Blick auf das juristisch Gebotene gen\u00fcgt nicht mehr, um die mediale Wirkung zu steuern. So ist das Schweigen zu erhobenen Vorw\u00fcrfen eine juristisch legitime Strategie, in der \u00d6ffentlichkeit wird dies jedoch meist als Schuldeingest\u00e4ndnis wahrgenommen.<\/li>\n<li>Die Beh\u00f6rden in ihrer Kommunikation immer aggressiver, um die Legitimation ihrer Institution zu st\u00e4rken. Ermittlungsschritte werden daher nicht mehr nur auf Nachfrage von Journalisten best\u00e4tigt, sondern gerne auch per Pressemitteilung bei einer gro\u00dfen Zahl von Medien promotet. Hinzu kommt noch, dass sich auch erfahrene Ermittler immer h\u00e4ufiger von einer aufgebrachten und skandalisierenden Berichterstattung treiben lassen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Selbst ein Freispruch kann die eigene Reputation dann kaum wiederherstellen &#8211; erst recht als \u201eFreispruch zweiter Klasse\u201c aus Mangel an Beweisen. Kaum ein prominenter Beschuldigter in einem Wirtschaftsstrafverfahren hat hinterher noch in Amt und W\u00fcrden zur\u00fcckgefunden.<\/p>\n<p>Auch wenn zivilrechtliche Verfahren f\u00fcr die Medien bisweilen weniger spannend sind, sind sie nicht weniger folgenschwer. Gerade weil Sachverhalte hier oftmals komplexer und Verhandlungstage z\u00e4her sind, gilt es sich mediale Einflussm\u00f6glichkeiten zu sichern. Klassische Einsatzgebiete f\u00fcr Litigation-PR sind dabei Kartell- und Insolvenzrecht aber auch Kapitalmarkt- und Kapitalmarktanlagerecht.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich geht es den PR-Beratern im Rahmen eines Zivilverfahrens darum, geltend gemachte Anspr\u00fcche entweder abzuwehren oder f\u00fcr Verst\u00e4ndnis in der \u00d6ffentlichkeit zu sorgen. Notwendigerweise geht dies damit einher, auf die jeweils gegnerische Seite medialen Druck aufzubauen.<\/p>\n<p>Auf der Kl\u00e4gerseite kann Litigation-PR im besten Falle schon vor einer Klage ihre Wirkung entfalten. Ein Beispiel: Die Thematisierung von Kernelementen einer angedrohten Klage oder die Androhung einer Klage selbst \u00fcber entsprechenden Branchenmedien bringen die Gegenseite bereits vorher in die Defensive. Erfahrungsgem\u00e4\u00df kann so auf der gegnerischen Seite auch nach anf\u00e4nglicher Weigerung Gespr\u00e4chsbereitschaft hergestellt werden. Besonders effizient ist diese Vorgehensweise bei Gegnern, die in besonderem Ma\u00dfe von Kundenvertrauen bzw. der eigenen Reputation abh\u00e4ngig sind &#8211; Kliniken, Lebensmittelh\u00e4ndler oder auch Banken.<\/p>\n<p>Kommt es dennoch zu einem offenen Rechtsstreit, hat der Kl\u00e4ger den Vorteil des \u201eFirst Mover.\u201c Er entscheidet, wann die Klage eingereicht wird. Darauf aufbauend kann von den Kommunikationsberatern eine umfassende Dramaturgie erarbeitet werden, um den medialen Druck auf die Gegenseite im Verlauf des Verfahrens zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Doch was bedeutet dies f\u00fcr die Seite des Beklagten? Floskeln wie \u201ezu einem laufenden Verfahren \u00e4u\u00dfern wir uns nicht\u201c oder \u201edie Klage liegt uns noch nicht vor\u201c sind zumeist die ersten Antworten auf entsprechende Presseanfragen. Doch die Hoffnung auf baldiges mediales Desinteresse wird bald durch die gnadenlose Realit\u00e4t eingeholt.<\/p>\n<p>Statt Floskeln m\u00fcssen vielmehr sofort die ersten Ma\u00dfnahmen ergriffen werden, um gegenzusteuern. Unerl\u00e4sslich ist dabei die Festlegung auf einen zentralen Kommunikator bzw. Sprecher. Diese sogenannte \u201eone-voice-policy\u201c soll verhindern, dass von dem beklagten Unternehmen zum gleichen Sachverhalt unterschiedliche Inhalte kommuniziert werden. Hier gilt es zu entscheiden, ob der Litigation-PR-Berater direkt als Sprecher f\u00fcr das Unternehmen auftreten soll. Dies kann insbesondere bei mittelst\u00e4ndischen Unternehmen mit einer vergleichsweise kleinen Pressestelle zu einer erheblichen Entlastung f\u00fchren. Ressourcen, die dann bestenfalls f\u00fcr die ebenso wichtige interne Kommunikation genutzt werden k\u00f6nnen. Danach gelten zwei Ans\u00e4tze: relevanten Journalisten in Hintergrundgespr\u00e4chen Argumente f\u00fcr ein Scheitern der Klage aufzuzeigen oder gleich in bisher unbeteiligten Leitmedien die eigene Position prominent zu platzieren.<\/p>\n<p>Wer das beherzigt, stellt im Falle eines gro\u00dfen Rechtstreites seine Verteidigung auf die zwei alles entscheidenden Fundamente: Das rechtliche und das kommunikative. Jede Verteidigungsstrategie muss von Beginn an ganzheitlich gedacht und umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Dabei sollte man vor den Kosten nicht zur\u00fcckschrecken &#8211; die Investition in zus\u00e4tzliche Litigation-PR-Ma\u00dfnahmen wird sich langfristig immer auszahlen. Das gute Recht der Mandanten auf Reputation erstreiten PR-Berater nicht im Gerichtssaal, sondern in der Welt der \u00d6ffentlichkeit. Hier gilt der Grundsatz: Recht bekommen und nicht nur Recht haben.<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel hat Ihnen gefallen?<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><strong>Dann geben Sie uns gerne ein Feedback und liken oder teilen ihn via <\/strong><a href=\"https:\/\/twitter.com\/bernstein_group\"><strong>Twitter <\/strong><\/a><strong>und <\/strong><a href=\"https:\/\/de.linkedin.com\/company\/bernstein-group\"><strong>LinkedIn<\/strong><\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sie brauchen kommunikative Unterst\u00fctzung im Bereich Litigation-PR oder einer anderen komplexen Sondersituation?<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><strong>Schreiben Sie uns gerne. 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