{"id":2150,"date":"2020-03-10T15:00:47","date_gmt":"2020-03-10T14:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=2150"},"modified":"2020-09-28T12:54:58","modified_gmt":"2020-09-28T10:54:58","slug":"schlecht-gedacht-nichts-gemacht-wie-deutschland-beim-thema-ride-hailing-versagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/2020\/03\/10\/schlecht-gedacht-nichts-gemacht-wie-deutschland-beim-thema-ride-hailing-versagt\/","title":{"rendered":"Schlecht gedacht, nichts gemacht \u2013 wie Deutschland beim Thema Ride-Hailing versagt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gemeinsam mit dem Hamburger Tech-Unternehmen <a href=\"https:\/\/www.wundermobility.com\/\">Wunder Mobility <\/a>ver\u00f6ffentlichen wir einen monatlichen Mobility-Policy-Newsletter. Im Fokus stehen alle Fragen rund ums Thema Mobility, Regulierung und Technologie. Auf unserem Blog ver\u00f6ffentlichen wir nun den zweite Artikel aus dem Newsletter, der ab 16. M\u00e4rz erstmals erscheint. <span id=\"ember10723\" class=\"ember-view\">Eine Anmeldung daf\u00fcr ist nat\u00fcrlich schon jetzt m\u00f6glich unter:\u00a0<\/span><a id=\"ember10727\" class=\"feed-shared-text-view__hyperlink ember-view\" tabindex=\"0\" href=\"https:\/\/www.wundermobility.com\/policybrief\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.wundermobility.com\/policybrief<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Disruption kennt keine Schonfristen \u2013 dies bekommt auch die Verkehrsbranche in Deutschland derzeit zu sp\u00fcren. Insbesondere die urbanen R\u00e4ume erleben, wie Digitalisierung und Automatisierung unsere Mobilit\u00e4ts- und Denkstrukturen radikal ver\u00e4ndern. Die Nutzung von Ride-Hailing-Angeboten gilt in Berlin, Hamburg, M\u00fcnchen und Co. als Selbstverst\u00e4ndlichkeit, Taxis werden per App bestellt und bezahlt. Gem\u00e4\u00df Statistiken haben im vergangenen Jahre bereits 5.3 Millionen Nutzer auf Ride-Hailing Angebote zur\u00fcckgegriffen haben &#8211; 2023 k\u00f6nnten es schon 7.8 Millionen Nutzer sein. Die individuelle Freiheit definiert sich heute \u00fcber die Angebote \u2013 nicht das eigene Auto vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p><strong>Kritik und Probleme in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Einf\u00fchrung von Ride-Hailing Angeboten wie Uber und FreeNow zeigen sich aber nicht allein die M\u00f6glichkeiten neuer Mobilit\u00e4t, vielmehr sto\u00dfen deren Anbieter auf politische und gesellschaftliche Widerst\u00e4nde. Zum einen f\u00fchrte das breite Angebot an Ride-Hailing Unternehmen &#8211; trotz des aktuellen gesellschaftlichen Trends zu Nachhaltigkeit und Klimabewusstsein &#8211; zu einem Anstieg der Luftverschmutzung. Eine Studie der Wissenschaftsvereinigung \u201eUnion of Concerned Scientists\u201c f\u00fchrt dies vor allem darauf zur\u00fcck, dass Ride-Hailing keine Fahrten mit dem privaten PKW ersetzt, sondern vielmehr Fahrten mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad.<\/p>\n<p>Andererseits stehen die Unternehmen in der Kritik, den hiesigen Taxi-Unternehmen den Markt strittig zu machen. Das Taxiwesen ist in Deutschland ein Teil des \u00d6ffentlichen Personennahverkehrs (\u00d6PNV) und genie\u00dft bislang eine Monopolstellung. Durch das neue Angebot digitaler und kundenorientierter Fahrtenvermittlung werden sie in ihrer bisherigen Position jedoch stark herausgefordert und beklagen sinkende Ums\u00e4tze. Die Forderungen nach einer einheitlichen Regulierung werden laut, da Ride-Hailing und Taxis bisher nicht den gleichen Gesetzen unterliegen: w\u00e4hrend Ride-Hailing-Anbieter auf Mietwagen zur\u00fcckgreifen, gelten Taxi-Unternehmen mit ihren eigenen Fahrzeugen als \u00d6PNV.<\/p>\n<p>Die Mobilit\u00e4t ist in Deutschland noch immer Basis und Antriebskraft der Wirtschaft und ist ein wesentlicher Aspekt individueller Freiheit. Eine entsprechende Regulierung, die Probleme aufgreift sowie die Vielzahl an Interessen und Ma\u00dfnahmen im Zuge des Mobilit\u00e4tswandels miteinander verkn\u00fcpft, ist unumg\u00e4nglich. Eine derartige Regulierung muss dabei sowohl innovative Ideen als auch die bestehende Infrastruktur ber\u00fccksichtigen, ohne dabei die pers\u00f6nlichen Freiheiten der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in Deutschland und den Wunsch nach Klimazielen au\u00dfer Acht zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Andere L\u00e4nder finden erste L\u00f6sungen <\/strong><\/p>\n<p>Andere europ\u00e4ische L\u00e4nder reagieren bereits entschiedener auf die neuen Herausforderungen des Mobilit\u00e4tswandels: Im Vereinigten K\u00f6nigreich arbeitet die Bahngesellschaft Virgin Trains zusammen mit Uber, um Nutzer zum Verzicht auf das eigene Auto zu animieren.\u00a0 Gleichzeitig l\u00f6sen sie dabei in strukturschwachen Regionen das Last-Mile Problem und schaffen eine Zusammenarbeit, bei der alle Beteiligten ber\u00fccksichtigt werden. Klassische Transportunternehmen und innovative Mobilit\u00e4ts-Anbieter schlagen dort gemeinsame Wege ein, anstatt sich gegenseitig den Markt streitig zu machen.<\/p>\n<p>Auch Estland positionierte sich fr\u00fchzeitig gegen\u00fcber innovativen Dienstleistungen und regelte den Umgang mit App-basierter Fahrtenvermittlung bereits im Jahr 2017. Ein Gesetz stellt dabei die Gleichbehandlung von digitalen Angeboten im Verkehrssektor einerseits und traditionellen Taxi-Dienstleistern andererseits sicher. Durch diese Regulierung findet die digitale Vermittlung von Dienstleistungen eine rechtliche Grundlage und gleichzeitig werden die Anforderungen an das Taxiwesen gemildert, sodass die Unterschiede zwischen beiden Anbietern verschwinden und eine Gleichstellung besteht.<\/p>\n<p><strong>Das Verkehrsministerium bietet bislang nur ein Eckpunktepapier <\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland sieht das derzeit anders aus &#8211; wie ein Konzept f\u00fcr einen Verkehrswandel hierzulande aussehen soll, ist unklar. Trotz mehrfacher Ank\u00fcndigungen hat es das Bundesverkehrsministerium bislang nicht geschafft eine entsprechende Novellierung des \u00fcberholten Personenbef\u00f6rderungsgesetzes (PBefG) vorzulegen. Im Fr\u00fchjahr 2019 hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lediglich Eckpunkte-Papier pr\u00e4sentiert, das \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge am Gesetz benennt. So soll ein \u00fcberarbeitetes Gesetz zuk\u00fcnftig f\u00fcr die digitale Vermittlung von Fahrten gelten und diese dadurch genehmigungspflichtig machen. Daf\u00fcr wird die App-basierte Erfassung von Auftragseing\u00e4ngen ins Gesetz aufgenommen, um hier gleichzeitig einen rechtlichen Rahmen zu schaffen. Dies war in dem 30 Jahre alten Gesetz bisher nicht der Fall. Dar\u00fcber hinaus soll die Einzelplatzvermietung erm\u00f6glicht werden, sodass klimafreundlichere Pooling-Fahrten umsetzbar sind, bei denen sich mehrere G\u00e4ste ein Auto f\u00fcr die gleiche Strecke teilen. Das Eckpunkte-Papier umfasst zudem die Abschaffung der R\u00fcckkehrpflicht f\u00fcr Mietwagen, um unn\u00f6tige Leerfahrten zu vermeiden.<\/p>\n<p>Die angek\u00fcndigte Novellierung des Personenbef\u00f6rderungsgesetzes kann dabei aber nur eine Ann\u00e4herung an die derzeitigen Realit\u00e4ten des Mobilit\u00e4tssektors bedeuten. Weitergehende Ma\u00dfnahmen, die zu einer erfolgreichen Mobilit\u00e4tswende beitragen k\u00f6nnen, werden nicht thematisiert. So zum Beispiel eine Umstellung gewerblich genutzter Verbrenner-Fahrzeuge auf Elektro-Fahrzeuge im Ride-Hailing- und Taxi-Betrieb.<\/p>\n<p>Diese Initiative wird hingegen bereits von Seiten der Europ\u00e4ischen Union vorangetrieben, die Ride-Hailing-Anbieter zuk\u00fcnftig an bestimmte Antriebsformen, insbesondere Elektro, binden m\u00f6chte. Dadurch die Ans\u00e4tze verfolgt, die das Ziel eines klimaneutralen Europas bis 2050 umsetzen sollen. Durch eine ausschlie\u00dfliche Verkn\u00fcpfung von Ride-Hailing an Elektroantriebe gehen allerdings Wettbewerbsnachteile f\u00fcr deren Anbieter einher. Es handelt sich dann nicht mehr um einen fairen Wettbewerb mit Taxi-Unternehmen sondern um einen unlauteren Eingriff in den Markt von Seiten der Gesetzgebung.<\/p>\n<p><strong>Leitplanken f\u00fcr alle definieren<\/strong><\/p>\n<p>Die verschiedenen Verkehrstr\u00e4ger in Deutschland sollten im Zuge der Mobilit\u00e4tswende durch ein umfassendes Konzept in Verbindung miteinander gebracht werden &#8211; im Bestfall voneinander profitieren sich aber vor allem nicht kannibalisieren.<\/p>\n<p>Einerseits sollten Anreize f\u00fcr Carpooling und Elektrofahrzeuge geschaffen werden, um den eigenen Klimazielen nachzukommen und die Umwelt- und Luftverschmutzung trotz erh\u00f6hter Ride-Hailing Nutzung niedrig zu halten. Andererseits m\u00fcssen die Auflagen aber wirtschaftlich und sozial umsetzbar bleiben und sich nicht einseitig auf bestimmte Anbieter ausrichten. Eine \u00d6ffnung und schnelle Anpassung der Gesetze, bei der die innovativen und kundenfreundlichen Mobilit\u00e4tsangebote ausreichend ber\u00fccksichtigt werden, ist unabdingbar. Nur so kann Deutschland die Mobilit\u00e4tswende verantwortungsbewusst und zukunftsorientiert mitgestalten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsam mit dem Hamburger Tech-Unternehmen Wunder Mobility ver\u00f6ffentlichen wir einen monatlichen Mobility-Policy-Newsletter. Im Fokus stehen alle Fragen rund ums Thema Mobility, Regulierung und Technologie. Auf unserem Blog ver\u00f6ffentlichen wir nun den zweite Artikel aus dem Newsletter, der ab 16. 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