{"id":1901,"date":"2019-09-04T14:40:36","date_gmt":"2019-09-04T12:40:36","guid":{"rendered":"https:\/\/bernstein-group.com\/?p=1901"},"modified":"2019-09-04T14:40:36","modified_gmt":"2019-09-04T12:40:36","slug":"spd-wer-wagt-gewinnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernstein-group.com\/de\/2019\/09\/04\/spd-wer-wagt-gewinnt\/","title":{"rendered":"SPD \u2013 Wer wagt gewinnt?"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Start des innerparteilichen Wahlkampfes um den SPD-Vorsitz beginnt das \u201eBattle of Attention\u201c, die Schlacht der Kandidaten um die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Aufmerksamkeit. F\u00fcr die 17 Bewerber um den Vorsitz gilt: Wer sich jetzt nicht profiliert, wird schnell chancenlos, wie ein Blick nach Amerika zeigt: In den USA hatten die Republikaner bei den vergangenen Primaries 17 Kandidaten im Feld, die Demokraten sind j\u00fcngst mit mehr als 20 Bewerbern in den anstehenden Vorwahlkampf gestartet. Ein so gro\u00dfes Kandidatenfeld ist weder f\u00fcr W\u00e4hler noch f\u00fcr Journalisten \u00fcbersichtlich. Daher konzentrieren sich Medien auf einige wenige Kandidaten mit h\u00f6herem Nachrichtenwert.<\/p>\n<p>Diesen Nachrichtenwert k\u00f6nnen die Kandidaten selbst beeinflussen: Donald Trump etwa provozierte per Twitter und sorgte mit einem exzentrischen Auftreten f\u00fcr Aufsehen. Andrew Yang, der aktuell bei den Demokraten kandidiert, versucht es \u00fcber au\u00dfergew\u00f6hnliche inhaltliche Positionen wie seine Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Ein Plus in der Aufmerksamkeitsschlacht sind au\u00dferdem hohe politische \u00c4mter, die ein Kandidat innehat. Im Falle der SPD trifft das vor allem auf Bundesfinanzminister Olaf Scholz zu.<\/p>\n<p>Das \u201eBattle of Attention\u201c funktioniert dabei wie ein Strudel: Zustimmung bekommt nur, wer bekannt ist. Bekannt wird nur, \u00fcber den berichtet wird. Diese Aufmerksamkeits\u00f6konomie wird am Ende entscheiden, wer als Favorit des jeweiligen Fl\u00fcgels in den Wahlgang geht. Die Bewerberinnen und Bewerber m\u00fcssen \u00fcber 23 Regionalkonferenzen die Spannung und Aufmerksamkeit halten \u2013 obwohl das Medieninteresse mit der Zeit naturgem\u00e4\u00df sinkt. Wahrscheinlich ist deshalb, dass einige Kandidaten gleich zu Beginn gro\u00dfe inhaltliche Aufschl\u00e4ge pr\u00e4sentieren, um die Schlacht von vornherein zu dominieren. Ebenso m\u00f6glich ist, dass manche Kandidaten erst zum Ende starke Positionen einnehmen werden, um so einen bleibenden letzten Eindruck bei den SPD-Mitgliedern zu hinterlassen, die den neuen Vorstand im Oktober und m\u00f6glicherweise in einer Stichwahl im November w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die Aufmerksamkeitsschlacht werden die Alleinstellungsmerkmale sein, die jedes Kandidatenduo und der Einzelkandidat f\u00fcr sich in Anspruch nehmen. Das Duo Alexander Ahrens und Simon Lange etwa k\u00f6nnte das Narrativ einer Basis-Bewerbung bem\u00fchen und versuchen, sich so im Stile Davids gegen Goliaths insbesondere gegen die konservativen Duos zu inszenieren. Lange hat genau diese Erz\u00e4hlung bereits 2018 erfolgreich gegen Nahles bem\u00fcht. Ob Olaf Scholz mit seiner Regierungserfahrung werben wird, bleibt abzuwarten. In der aktuellen Lage w\u00e4re es m\u00f6glicherweise nicht der st\u00e4rkste Trumpf.<\/p>\n<p><strong>Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse und Allianzen<\/strong><\/p>\n<p>Den vielen bisher eher unbekannten Kandidatenduos aus dem linken Spektrum der Partei stehen im Wahlkampf aus dem konservativeren SPD-Fl\u00fcgel mit Klara Geywitz und Olaf Scholz sowie Petra K\u00f6pping und Boris Pistorius zwei bekannte Kandidaten-Duos gegen\u00fcber. Nach einer Forsa-Umfrage unter SPD-Mitgliedern w\u00fcrden derzeit 26 Prozent f\u00fcr Geywitz und Scholz stimmen und 12 Prozent f\u00fcr K\u00f6pping und Pistorius. Die Stimmen f\u00fcr Nina Scheer und Karl Lauterbach, Christina Kampmann und Michael Roth, Schwan und Stegner sowie weiterer linker Kandidatenduos schwanken zwischen 7 und 14 Prozent \u2013 und sind damit deutlich fragmentierter. Da es nach jetzigem Stand aber unwahrscheinlich ist, dass ein Kandidatenduo im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erringt, wird es im zweiten Schritt eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten-Duos auf Platz eins und zwei geben. Wenn der linke Fl\u00fcgel sich hier hinter einem Kandidatenduo versammelt, w\u00fcrde er gem\u00e4\u00df der Umfrage aktuell mehr Stimmen zusammenbringen als das voraussichtliche Kandidatenduo des konservativen Fl\u00fcgels, Geywitz und Scholz:<\/p>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1902\" src=\"https:\/\/bernstein-group.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/wippe_spd-300x200.png\" alt=\"\" width=\"759\" height=\"506\" srcset=\"https:\/\/bernstein-group.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/wippe_spd-300x200.png 300w, https:\/\/bernstein-group.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/wippe_spd-768x512.png 768w, https:\/\/bernstein-group.com\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/wippe_spd-1024x683.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px\" \/>\n<p>Die Daten beruhen auf einer Umfrage vom August, als die Kandidaturen von Hilde Mattheis und Dierk Hierschel, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sowie Karl-Heinz Brunner noch nicht bekannt waren. Dennoch d\u00fcrfte sich an den Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen kaum etwas ge\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p><strong>Die GroKo-Gretchenfrage<\/strong><\/p>\n<p>Bei jedem Kandidatenp\u00e4rchen stellt sich letztlich die Frage: Pro oder contra GroKo? Gerade die Medien sortieren die Kandidaten prim\u00e4r nach diesem Kriterium. Gleichwohl bleibt die Frage: Ist die GroKo f\u00fcr den internen Wahlkampf entscheidend?<\/p>\n<p>Bekannt ist, dass sich die Mehrheit der SPD-Mitglieder stets mit deutlicher Mehrheit f\u00fcr eine GroKo ausgesprochen haben. Auch die erw\u00e4hnte Forsa-Umfrage stellte fest, dass aktuell weiterhin 54 Prozent der Mitglieder f\u00fcr den Verbleib in der Regierungskoalition sind und nur 42 Prozent f\u00fcr einen Austritt. Dies spiegelt sich auch in einer parteiinternen Umfrage unter SPD-Mitglieder zu den f\u00fcr die Vorsitzenden-Wahl relevanten Fragen: Demnach sind vor allem Klimaschutz, Umverteilung, Parteiprofil, \u00f6ffentliche Daseinsvorsorge und das W\u00e4hlerklientel der Partei f\u00fcr die Mitglieder wichtig. Die Position zum GroKo-Austritt spielt keine gr\u00f6\u00dfere Rolle.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die n\u00e4chsten Wochen werden f\u00fcr die SPD-Vorsitzenden-Wahl daher folgenden drei Fragen wichtig:<\/p>\n<ul>\n<li>Wer wird es schaffen, sich im Kampf um die Aufmerksamkeit aus dem fragmentierten Bewerberfeld abzusetzen und f\u00fcr den jeweiligen Fl\u00fcgel die Spitzenposition einzunehmen?<\/li>\n<li>Wird es dem linken SPD-Fl\u00fcgel gelingen, in einer wahrscheinlichen Stichwahl gegen das mutma\u00dfliche Duo Scholz-Geywitz seine Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln?<\/li>\n<li>Wird sich der SPD-Vorsitzenden-Wahlkampf von der GroKo-Frage l\u00f6sen k\u00f6nnen und tats\u00e4chlich eine inhaltliche Debatte \u00fcber die Zukunft der SPD f\u00fchren?<\/li>\n<\/ul>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Start des innerparteilichen Wahlkampfes um den SPD-Vorsitz beginnt das \u201eBattle of Attention\u201c, die Schlacht der Kandidaten um die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Aufmerksamkeit. 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